Wie kann man den Rückkaufswert der Lebensversicherung bestimmen?

Für Verträge gelten je nach Abschluss unterschiedliche Bestimmungen - Police sollte nie unüberlegt gekündigt werden

Wie kann man den Rückkaufswert der Lebensversicherung bestimmen?
Hat man eine Lebensversicherung abgeschlossen, erhält man in der Regel einmal im Jahr Post von seiner Versicherung. Darin wird unter anderem der aktuelle Rückkaufswert der Police angegeben. Diese Angabe wird dann interessant, wenn man überlegt, den Vertrag zu kündigen, zu verkaufen oder beitragsfrei zu stellen. Denn vor allem in den ersten Jahren nach Abschluss kann der Blick in die Zwischenbilanz der Lebensversicherung ernüchternd sein. Die gezahlten Beiträge sind zumeist deutlich höher als der Rückkaufswert. Als Versicherungsnehmer stellt man sich da die Frage, was die eigene Lebensversicherung eigentlich wert ist?
Eine Lebensversicherung, die der Altersvorsorge dient, ist eine langfristige Sparform. Die Laufzeit kann mehrere Jahrzehnte betragen. Doch nur wenigen Versicherten gelingt es, die Beitragszahlungen bis zum Ende durchzuhalten. Sie kündigen. Bei einer Kündigung erhält man jedoch nur den sogenannten Rückkaufswert. Dieser ist vor allem in den ersten Jahren der Laufzeit sehr gering und liegt deutlich unter dem, was man bisher eingezahlt hat. Das lässt sich damit erklären, dass ein bedeutender Teil des Wertes der Versicherung im Schlussüberschuss besteht, den man beim vertraglichen Ende der Police bekommt. Kündigt man vorher, entfällt der Schlussüberschuss.
 

Regelungen für Lebensversicherungen, die bis 2007 abgeschlossen wurden

 
Für Lebensversicherungen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, muss der Mindestrückkaufswert mindestens der Hälfte des Deckungskapitals entsprechen. Bei der Berechnung dürfen Verwaltungskosten, nicht jedoch die Abschlusskosten abgezogen werden.
 

Regelungen für Kapitallebensversicherung, die nach 2008 abgeschlossen wurden

 
Nach den gesetzlichen Bestimmungen entspricht der Rückkaufswert dem Deckungskapital, also dem Sparanteil der Beiträge plus der zugeteilten Überschussbeteiligungen und Zinsen. Anfallende Verwaltungskosten werden vom Beitrag abgezogen. In den ersten Jahren liegt der Rückkaufswert damit theoretisch bei Null. Jedem Besitzer einer Police steht jedoch ein Mindestrückkaufswert zu, wenn er die Versicherung vorzeitig beendet. Der Mindestrückkaufswert entspricht mindestens dem Deckungskapital, das sich ergibt, indem die Abschluss- und Vertriebskosten gleichmäßig auf die ersten fünf Jahre verteilt werden. Ein Stornoabschlag bei frühzeitigem Ausstieg ist möglich, wenn er vereinbart wurde.
 

Regelungen für fondsgebundene Lebensversicherungen

 
Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen, die bis 2007 abgeschlossen wurden, muss der Rückkaufswert mindestens der Hälfte des Fondsguthabens entsprechen. Davon dürfen zwar Verwaltungs- , aber keine Abschlusskosten abgezogen werden. Bei Policen, die ab 2008 laufen, richtet sich die Höhe des Rückkaufswerts nach dem Zeitwert des Vertrages. Maßgeblich ist der Wert der Fondsanteile. Auch bei Fondspolicen müssen die Abschluss- und Vertriebskosten auf die ersten fünf Jahre verteilt werden.
Vor allem für einen Laien ist es schwierig, den Rückkaufswert selbst zu bestimmen und die durch die Versicherungen vorgegebenen Werte nachzuvollziehen. Es lohnt sich also durchaus, vor der spontanen Kündigung der Lebensversicherung eine Beratung in Anspruch zu nehmen, um am Ende nicht viel Geld zu verlieren. Wenn man sich beispielsweise die regelmäßigen Beiträge für die Lebensversicherung nicht mehr leisten kann, sollten man zuerst andere mögliche Optionen kennen: den Verkauf oder eine Beitragsfreistellung.