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Mehrgenerationenhaus: So gehen Sie das Projekt richtig an

7 Min Mit mehreren Generationen unter einem Dach zu wohnen, kann eine große Chance sein – wie Sie das Beste aus dem Projekt machen können, erfahren Sie hier.

18.10.2021
Michelle Enners
7 Min

Gemeinsam mit Jung und Alt den Alltag bestreiten, Zeit verbringen und ein Leben gestalten – all das lässt sich in einem Mehrgenerationenhaus umsetzen. Laut des Statistischen Bundesamtes war die Zahl solcher Formen des generationsübergreifenden Zusammenlebens in den letzten Jahrzehnten verschwindend gering. Doch es tut sich etwas: Das Interesse an Wohnprojekten mit Menschen verschiedenen Alters scheint zu steigen und auch der Bund fördert diese Entwicklung. Welche Vor- und Nachteile das Abenteuer Mehrgenerationenhaus mit sich bringt und was es bei der Planung sowie Versicherung zu beachten gilt, erfahren Sie hier.

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Was versteht man unter einem Mehrgenerationenhaus?

Die Grundidee hinter der Form des Zusammenlebens im Mehrgenerationenhaus ist die eines altersübergreifenden sozialen Miteinanders. Im Grunde ist bereits eine Familie, die aus Eltern und Kindern besteht und in einem Haus wohnt, eine Version eines generationenübergreifenden Haushalts: ein Zweigenerationenhaus. Menschen, die sich auf das Projekt „Mehrgenerationenhaus“ einlassen wollen, streben dabei jedoch meist an, noch eine dritte oder gar vierte Generation zu involvieren. Beispielsweise die Großeltern oder Urenkel.

Es sind jedoch nicht nur Familien, die sich für das gemeinsame Zusammenleben mit mehreren Generationen entscheiden. Gerade in Großstädten ist die Gründung eines Mehrgenerationenhauses auch für befreundete und gleichgesinnte Menschen unterschiedlichen Alters eine praktische Lösung – schließlich sind Wohnungsmangel, hohe Mieten und Einsamkeit verbreitete Probleme.

Wie genau die Form des Zusammenwohnens aussehen soll, ist eine individuelle Frage. Oftmals bietet sich eine Aufteilung auf verschiedene Stockwerke oder gar mehrere Apartments in einem Haus an. Auch hinsichtlich der Finanzierung sowie der Eigentumsrechte des Projekts, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die im Vornherein geklärt werden müssen. Des Weiteren unterscheiden sich private und öffentliche Mehrgenerationenhäuser voneinander. Während erstere für Familien und Freunde genutzt werden, sind letztere meist ein Treffpunkt für benachbarte Menschen aus einem Stadtteil. Hier werden auch Beratungen, zum Beispiel zu Familien- und Erziehungsthemen, sowie Sprach- und Inklusionskurse und verschiedenste Aktivitäten angeboten, um das Miteinander zu stärken.

Vor- und Nachteile des Mehrgenerationenhauses auf einen Blick.

Das Mehrgenerationenhaus Vorteile und Nachteile

Alle unter einem Dach: Vorteile des Mehrgenerationenhauses

  • Unterstützung und Zusammenhalt: Leben Jung und Alt gemeinsam in einem Haus, hat dies praktische Vorteile. Wenn die Eltern beispielsweise stark im Berufsleben eingespannt sind, können die berenteten Großeltern nach dem Kindergarten oder der Schule auf die Enkel aufpassen. Andersherum werden die Großeltern im besten Fall im Alltag von den jüngeren Generationen unterstützt – beim Einkauf, im Haushalt, bei Arztbesuchen oder später in der Pflege.
  • Gemeinsames Lernen: Der Austausch zwischen Jung und Alt hält beide Seiten fit. Schließlich können unterschiedliche Generationen viel voneinander lernen – von Handarbeit oder Geschichte bis hin zum Umgang mit aktueller Technik. Man bleibt aktiv: Auch gemeinsame Hobbys können sich in diesem Modell des Zusammenlebens schnell entwickeln..
  • Leichtere Baufinanzierung: Gemeinsam sind die Kosten für den Bau oder den Kauf einer Immobilie leichter zu tragen. Je nach Ausgangssituation fällt eventuell sogar die Notwendigkeit eines Kredits weg oder man profitiert von niedrigeren Zinsen. Auch das Baudarlehen wird gemeinsam schneller abbezahlt..
  • Altersvorsorge: Immobilien sind nach wie vor eine sinnvolle Geldanlage fürs Alter. Ist das Rentenalter dann erreicht und das Haus bestenfalls schon abbezahlt, sind Mietzahlungen kein Thema mehr. Auch die Nachkommen, also Kinder, Enkelkinder oder andere Erben, können in der Zukunft von der Teilhabe am Mehrgenerationenhaus profitieren..
  • Sparpotential: Laufende Kosten, etwaige Reparaturen am Haus oder an Haushaltsgeräten – all diese Ausgaben lassen sich auf mehrere Schultern verteilen. Ändert sich die Wohnsituation und man entscheidet sich für die Vermietung des Hauses, hat man die Chance auf Steuervorteile. Zwar müssen die Mieteinnahmen versteuert werden, dafür dürfen aber Abschreibung, Schuldzinsen, Instandhaltung und Werbungskosten steuersparend geltend gemacht werden– allerdings nur für den Bereich des Hauses, der vermietet wird..

Volles Haus: Herausforderungen und Nachteile des Modells

  • Kein Platz für Egoismus: Je größer eine Gruppe von Menschen ist, desto mehr Kompromissbereitschaft wird benötigt. Beim Zusammenleben betrifft dies nahezu jeden Lebensbereich – deshalb sind Absprachen unabdingbar. Von grundsätzlichen Regelungen wie zum Beispiel dem Grundriss, der Hausaufteilung und der Finanzierung bis hin zu Lautstärke, Mittagsruhe und Gartengestaltung wird jede Partei im Haus gelegentlich Kompromisse eingehen müssen.
  • Konfliktpotential: Ein Zusammenleben verschiedener Generationen ist meist ein Zusammenleben verschiedener Kulturen. Jeder Lebensabschnitt unterliegt schließlich bestimmten Erwartungen, Verhaltensweisen und Ansprüchen an den Alltag. Während die einen sich die Nächte um die Ohren schlagen wollen, benötigen die anderen eine frühe Nachtruhe – und sind morgens dafür schon schnell auf den Beinen. Doch auch Erziehungsfragen sind oft ein Ausgangspunkt für Konflikte, weshalb es klarer Grenzsetzung und Absprachen bedarf.
  • Längere Planungszeit: Es braucht Zeit, um den Ansprüchen aller zukünftigen Mitbewohner und Mitbewohnerinnen gerecht zu werden, die besprochenen Kompromisse umzusetzen und auch das richtige Grundstück oder Haus zu finden. Mit längeren Phasen der Planung und Organisation ist deshalb zu rechnen – hier ist Ausdauer gefragt.

Leben statt sorgen – Angebot einholen und wechseln

Hierauf kommt es drauf an: Die Planung des Mehrgenerationenhauses

Noch bevor man erste Schritte in Richtung Finanzierung, Bau und Grundstück macht, sollte das Projekt in Gänze mit allen beteiligten Parteien besprochen werden. Nur eine klare Kommunikation ermöglicht es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und während der verschiedenen Phasen des Projekts auf dem gleichen Stand zu sein.

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Hier steht Ihnen eine Checkliste für die Planung eines Mehrgenerationenhauses zum Download bereit.

Beantworten Sie gemeinsam folgende Fragen:

  • Sollen es getrennte Wohneinheiten sein oder doch ein offener Grundriss? Mit anderen Worten: Wieviel Privatsphäre benötigen die einzelnen Parteien? Wer ein Mehrgenerationenhaus bauen möchte, hat bei der grundsätzlichen Planung Vorteile. Schließlich bestimmt der Grundriss Ihres Mehrgenerationenhauses über die Art des Zusammenlebens und Begegnens. Über Ihren individuellen Grundriss können Sie gemeinsam bestimmen.
  • Sind Gemeinschaftsräume von Interesse, zum Beispiel eine Gemeinschaftsküche oder ein großes Wohnzimmer? Auch eine Werkstatt oder ein Hobbyraum können als schöne Begegnungsorte für gemeinsame Aktivitäten dienen.
  • Wie stehen die Mitglieder des Projekts zum Thema Kosten und Finanzierung? Was darf das Projekt insgesamt kosten und welcher finanzielle Puffer ist möglich? Eine realistische und ehrliche Kommunikation über dieses bisweilen unangenehme Thema gehört zu den Voraussetzungen einer erfolgreichen Planung.
  • Barrierefreiheit ist ein wichtiger Teil des Konzepts – schließlich plant man hier für ein langfristiges Zusammenleben verschiedener Generationen. Die älteste Partei des Hauses könnte praktischerweise im Erdgeschoss angesiedelt werden, um eine barrierefreie Gestaltung des Hauses zu erleichtern. Ebenerdige Duschen sowie rollstuhlgerechte, schwellenlose Türen sind nur ein paar Beispiele, die es zu beachten gilt.
  • Welche Eigentumsverhältnisse sollen gelten? Wie steht es um die Eintragung ins Grundbuch, um das (lebenslange) Wohnrecht, mögliche Erbschaften in der Zukunft? Man könnte eine Eigentümergemeinschaft bilden oder auch eine Person bestimmen, die als Haupteigentümer an die anderen Parteien vermietet. An dieser Stelle ist eine rechtliche Beratung hilfreich.
  • Sind Ruheorte eingeplant? Manchmal reicht das eigene Zimmer nicht aus – auch ein Platz im Garten oder an einem anderen ruhigen Ort im Haus ist für das Auftanken der Energiereserven nötig. Wohnen viele Menschen zusammen, sollten diese Orte unbedingt eingeplant werden.
  • Gestaltungsfreiheit beim eigenen Zuhause ist den meisten Menschen wichtig. Im Mehrgenerationenhaus treffen jedoch unterschiedliche Geschmäcker aufeinander – deshalb gilt es, die gemeinsamen Treffpunkte zu definieren und von den privaten Rückzugsorten abzugrenzen. Anschließend kann gemeinsam über die Gestaltung von Fassade, Gemeinschaftsräumen und beispielsweise dem Treppenhaus gesprochen werden. Die eigenen Rückzugsorte können dann ganz nach dem eigenen Geschmack eingerichtet und dekoriert werden.
  • Wie viel darf die Privatsphäre kosten? Gerade die Ausgaben für Sanitäranlagen können sich schnell summieren und auch der Bau zusätzlicher Gemeinschaftsräume kostet extra – vor allem, wenn diese Bereiche auch barrierefrei angelegt werden sollen. Was man an Privatsphäre gewinnt, zahlt man beim Bau des Mehrgenerationenhauses also dazu. Ist man sich der eigenen Bedürfnisse vor der Umsetzung des Projekts bewusst, kann man etwaige Mehrkosten von Anfang an einkalkulieren.

Sind diese Hauptfragen und mögliche Folgefragen geklärt, wissen alle Parteien, worauf sie sich einlassen. Auch der eigene Bedarf an Ruhe und Raum wird hierdurch klarer, was beispielsweise Vorteile bei der Planung mit einem Bauunternehmen mit sich bringt.

Investition in die Zukunft: Kosten und Finanzierung des Mehrgenerationenhauses

Ob man das Mehrgenerationenhaus mit Eltern oder Freunden plant – das Finanzielle muss von Anfang an offen besprochen werden. Im Großen und Ganzen ähnelt der Ablauf für die Bau- oder Kauffinanzierung dem für den Kauf anderer Immobilien, wie zum Beispiel Einfamilienhäusern. Nicht nur öffentliche Mehrgenerationenprojekte erhalten hierbei Unterstützung – auch ein privates Mehrgenerationenhaus kann eine Förderung durch den Staat erhalten. Je nach Bundesland winken beispielsweise zinsgünstige Darlehen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, bietet als staatliche Förderbank ebenfalls eine Projektunterstützung an. Dank des Programms „KfW 159 – Altersgerecht Umbauen“ kann man bei der KfW einen zinsgünstigen Kredit von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit erhalten. Auch steuerliche Vorteile gibt es: Man kann zum Beispiel einen Teil der Anschaffungs- und Renovierungskosten von der Steuer absetzen. Doch was kostet ein Mehrgenerationenhaus schlussendlich? Wie auch bei anderen Hausbau- und Hauskaufprojekten ist bereits die Lage des Grundstücks eine erste finanzielle Hürde. Möchte man direkt in der Stadt wohnen – vor allem im Falle beliebter Großstädte wie München, Berlin oder Hamburg – wird es nicht nur schwierig, etwas zu finden. Es wird vor allem teuer. Doch auch die Größe, die Anzahl der Wohneinheiten, eine angemessene Barrierefreiheit sowie der eigene Anspruch an Ausstattung und Interieur schlägt sich in den Kosten nieder. Eine generelle Antwort kann man in diesem Fall nicht geben – schließlich kommen hier viele individuelle Faktoren zusammen.

Blut ist dicker als Wasser – oder?  Zugegeben, man wünscht sich immerwährenden Zusammenhalt und ewiges Vertrauen in der Familie. Doch gerade Themen wie Geld, Erbe und Eigentum haben in der Menschheitsgeschichte schon immer großes Konfliktpotential mit sich gebracht. Um unschöne Familienzwiste zu vermeiden, sollten alle Absprachen schriftlich und vertraglich festgehalten werden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, zieht hierbei Experten für Immobilienrecht aus Kanzlei und Notariat hinzu. Auch wenn es viel Aufwand ist: Lesen Sie jeden Vertrag gut durch und hören Sie auch beim Verlesen im Notariat ganz genau hin. Falls Fragen offen sind, sollten diese vor dem Unterzeichnen für alle gestellt und geklärt werden. Das erspart viel Ärger, falls die Stimmung doch einmal kippen sollte.

Für den Fall der Fälle: Risikolebensversicherung zur Absicherung eines Kredits

Ist man bereits bei der Planung der Finanzen angelangt, muss so manche Familie feststellen, wie skeptisch Banken älteren Kreditnehmern gegenüberstehen. Der Grund: Je kürzer die übriggebliebene Lebenszeit des Kreditnehmers, desto unwahrscheinlicher ist eine vollständige Tilgung des Kredits. Ob die Erben des Verstorbenen den Kredit letztendlich abbezahlen können, weiß eine Bank meist erst, wenn es zu spät ist.

Um die Chancen auf einen guten Kredit zu erhöhen, ist der Abschluss einer Police, wie beispielsweise einer Risikolebensversicherung, möglich. Diese Versicherung greift, wenn der Kreditnehmer vor Tilgung des Kredits verstirbt. So sind die Hinterbliebenen finanziell abgesichert und gelangen nicht in die Bredouille. Auch für Geschäftspartner und Unternehmen lohnt sich diese Absicherung. Die Risikolebensversicherung ist der Rückhalt, den die Bank und die Familie für die Tilgung des Kredits benötigen, falls es zum Todesfall kommen sollte.

Wie heißt es so schön? „Wo gehobelt wird, fallen Späne!“  Wer ein Haus baut oder umbaut, trägt viel Verantwortung. Und leider geht bei den meisten Baustellen an irgendeinem Punkt etwas schief. Um sich und andere vor größeren (finanziellen) Schäden zu schützen, werden oftmals weitere Versicherungen empfohlen: beispielsweise die Bauherrenhaftpflichtversicherung oder auch eine Risikounfallversicherung für Bauherren und Bauhelfer. Studieren Sie die verschiedenen Angebote und lassen Sie sich ausgiebig beraten.

Das Mehrgenerationenhaus ist ein großes, umfassendes Projekt. Der potenzielle Mehrwert ist enorm und wiegt im besten Falle die lange Planungsphase und etwaige Mehrkosten des Hausbaus auf. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass der Altersdurchschnitt weiterhin steigt und Wohnraum gleichzeitig Mangelware zu bleiben scheint, ist das Zusammenleben mehrerer Generationen eine echte Chance.

Wer Interesse an diesem Wohnmodell hat, sollte mit sich selbst und den potenziellen Mitbewohnern ehrlich und konkret kommunizieren. Nur dann kann die Planung und damit das Projekt „Mehrgenerationenhaus“ ein voller Erfolg werden.

Ob es um eine Risikolebensversicherung geht oder Sie an anderen Versicherungsprodukten Interesse haben – unsere Experten von Verti stehen Ihnen gern beratend zur Seite. Wählen Sie aus verschiedenen Optionen die für Sie richtigen Absicherungen aus – bei Verti erhalten Sie ein individuell auf Sie angepasstes Produkt.

Nutzen Sie doch unseren Online-Schnellrechner und verschaffen Sie sich so eine Übersicht. Bei Fragen stehen Ihnen unsere Kundenberater natürlich sowohl telefonisch unter 030 – 890 003 366 oder auch per E-Mail unter service-leben@verti.de zur Seite.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf:

 

Sorglos durch’s Leben mit der richtigen Versicherung

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