Mehrgenerationenhaus: So gehen Sie das Projekt richtig an

Gemeinsam bauen, finanzieren und wohnen

( Wörter)

Im Todesfall erfolgt die Auszahlung der Risikolebensversicherung
Für immer mehr Menschen kommt ein Mehrgenerationenhaus als Wohnform infrage. Gegenüber einem Einfamilienhaus hat es einige Vorzüge; allem voran stiftet es Gemeinschaft. Hier lernen mehrere Generationen voneinander und unterstützen sich gegenseitig. Zusammen kümmern sie sich um die Kinderbetreuung oder die Versorgung gesundheitlich eingeschränkter Großeltern. Und nicht zuletzt lässt sich das Projekt Hausbau auf diese Weise einfacher angehen. Schließlich werden die Kosten auf mehrere Schultern verteilt.

Besonderheiten des Modells Mehrgenerationenhaus

Dem Modell Mehrgenerationenhaus liegt nach allgemeiner Definition die Idee des altersübergreifenden sozialen Miteinanders zugrunde. Am häufigsten schließen sich die Mitglieder einer Familie zusammen. Doch gerade in Großstädten geht der Trend dahin, mit Freunden oder Gleichgesinnten ein neues Zuhause zu gestalten und zu finanzieren. Auch hinsichtlich der Eigentumsrechte sind verschiedene Varianten denkbar. So können mehrere Familien oder die Verwandtschaft gemeinsam oder in separaten Einheiten wohnen. Entweder bilden sie eine Eigentümergemeinschaft, oder eine Partei vermietet als alleiniger Besitzer Wohnungen. Davon zu unterscheiden sind die von der öffentlichen Hand geförderten und zumeist der gesamten Nachbarschaft offenstehenden Häuser mit vielfältigen sozialen Angeboten. Aber auch für rein private Mehrgenerationenhäuser gibt es Förderungen.
 
Bevor Sie das Projekt „Mehrgenerationenhaus bauen“ angehen, sollten Sie alle Vor- und Nachteile abwägen:

Mehrgenerationenhaus und Vorteile 

  • Gegenseitige Unterstützung: In einigen Orten sind die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder rar. Lebt man mit mehreren Generationen zusammen, können auch mal Großeltern oder andere Mitbewohner einspringen. Zugleich können Jüngere älteren Bewohnern unter die Arme greifen. Das beugt Einsamkeit im Alter vor und verhindert, dass ältere Menschen früh ins Alters- oder Pflegeheim umziehen müssen.
  • Leichtere Baufinanzierung: Legen mehrere Personen Geld zusammen, können sie auf einen Kredit verzichten oder zugunsten günstiger Zinsen mehr Eigenkapital beisteuern. Das gilt auch für die Restschuldtilgung. Gemeinsam zahlt man das Haus rascher ab. Ansonsten gibt es die Option, ein Apartment in einem Mehrgenerationenhaus zu mieten.
  • Altersvorsorge: Wie jede Immobilie eignet sich ein Mehrgenerationenhaus als Geldanlage fürs Alter. Bleiben Sie als Rentner in Ihrem Mehrgenerationenhaus wohnen, sparen Sie Mietkosten. Zudem sichern Sie die finanzielle Zukunft der Kinder, die es einmal erben werden. In jedem Fall legen Sie bei einem Hausbau Ihr Erspartes wertbeständig an.
  • Sparen: Führen Sie mit mehreren Personen einen Haushalt, sparen Sie vor allem bei laufenden Kosten. Vermieten Sie das gemeinsame Haus, ergeben sich zumeist Steuervorteile.

Mögliche Nachteile 

  • Hohe Kompromissbereitschaft: Je mehr Menschen gemeinsam unter einem Dach leben, desto häufiger muss jeder Einzelne Kompromisse eingehen. Wer bezieht das Erdgeschoss? Wie gestalten wir den Grundriss? Damit der Haussegen später nicht schief hängt, gilt es sich hinsichtlich Planung und Finanzierung zu arrangieren. 
  • Konfliktpotenzial: Das tägliche Miteinander verschiedener Generationen birgt mitunter Streitpotenzial. Bei einem Mehrgenerationenhaus treffen verschiedene Ansichten hinsichtlich Wohneinrichtung, Erziehung und Ruhebedürfnis aufeinander.

Mehrgenerationenhaus bauen: So packen Sie es an

Bevor Sie das Projekt angehen, ist es wichtig, die Erwartungen aller Beteiligten abzuklären. Jeder sollte von der Idee hundertprozentig überzeugt sein. Getrennte Wohneinheiten, offener Grundriss oder nur Gemeinschaftsräume? Die Bauart des Hauses entscheidet über die Art des Zusammenlebens. Wer ein Mehrgenerationenhaus baut, sollte sich überlegen, wie viel Privatsphäre er benötigt. Entscheiden Sie vorab auch, wer welchen Bereich beziehen wird. 
 
Eine gemeinsame große Wohneinheit, in der alle Bereiche für jeden zugänglich sind, stiftet mehr Gemeinschaft. Zudem hat dieses Modell auch ganz pragmatische Vorzüge: Eine gemeinsame Haushaltsführung ist weniger aufwändig und spart Geld. Beim Bau des Mehrgenerationenhauses kommen weitaus weniger Kosten auf Sie zu; freilich auf Kosten der Privatsphäre. Sie haben weniger Möglichkeiten, Trubel zu entgehen. Abhilfe können klare Absprachen schaffen. Dennoch setzt diese Variante viel Kompromissbereitschaft voraus.
 
Im Vergleich dazu liegen die Vorteile separater Wohneinheiten auf der Hand: Jede Familie – beziehungsweise Kernfamilie, Eltern oder Großeltern – bezieht jeweils ihren eigenen Bereich, den sie nach eigenem Geschmack gestaltet. Jeder kann sich der Gemeinschaft auch einmal entziehen. Denkbar sind zwei oder mehr Eigentumswohnungen, getrennt vermietbare Apartments oder eine Doppelhaushälfte für jede Generation beziehungsweise Familie. Sollte sich die Lebenssituation einmal ändern oder eine Partei ausziehen, ist es einfacher, einzelne Wohnungen weiterzuverkaufen oder zu vermieten. Ein Mehrfamilienhaus mit separaten Sanitäranlagen und Küchen treibt die Baukosten allerdings stark in die Höhe.
 
Genauso gut können Sie einen Mittelweg gehen, indem Sie einen Grundriss wählen, der separate Bereiche und Gemeinschaftsräume vorsieht. Dies lässt sowohl Rückzugsmöglichkeiten als auch Treffpunkte zu. Aber auch diese Variante ist kostenintensiv. Günstige Fertighäuser sind prinzipiell nur begrenzt individualisierbar; Sonderwünsche sind nur mithilfe eines Architekten oder einer teuren Massivbauweise zu realisieren.
 
Wägen Sie also ab, welches Konzept Sie am meisten überzeugt. Wichtig ist auch, dass Sie hinsichtlich Größe und Ausstattung vorausschauend planen und Ihren künftigen Bedarf an Wohnraum im Blick behalten. Schwellenlose Türen, ein ebenerdiger Eingang und Duschen gehören zu einem barrierefreien Mehrgenerationenhaus. Sind Ihre Eltern oder Sie später einmal körperlich nicht mehr so fit, können Sie in Ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Wünschen Sie sich Kinder oder noch mehr Nachwuchs, ist die Anzahl der Kinderzimmer wichtig.
 

Mehrgenerationenhaus: Kosten und Finanzierung

Wenn Sie ein Mehrgenerationenhaus finanzieren, ähnelt das Vorgehen der Bau- und Kauffinanzierung anderer Immobilien. Zudem stehen Ihnen bei einem Mehrgenerationenhaus auch staatliche Förderungen zur Verfügung. Dazu zählen die zinsgünstigen Darlehen einzelner Bundesländer und die Förderprogramme der KfW-Bank. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Blogbeitrag zum Thema Baukosten eines Einfamilienhauses
 
Gleichwohl gibt es ein paar Besonderheiten. Die Kosten hängen – wie bereits skizziert – stark vom jeweiligen Wohnmodell ab. Daneben sind Lage und Ausstattung ein wichtiger Einflussfaktor. In weniger gefragten Lagen wie städtischen Randzonen oder ländlichen Regionen sind die Grundstücke erheblich günstiger. Auch die Ausstattung spielt eine Rolle.
 
Wenn Sie ein Mehrgenerationenhaus bauen, verteilen Sie die Kosten auf mehrere Schultern. Sie brauchen sich weniger Geld bei der Bank leihen und zahlen die Immobilie rascher ab. Schließlich stehen mehrere Einkommen zur Verfügung, um den Kredit zu tilgen. Je nach Wohnmodell sind auch zwei Kreditnehmer denkbar, was generell die Aussicht auf ein günstiges Darlehen verbessert. Allerdings stehen Banken älteren Kreditnehmern eher skeptisch gegenüber. Eine Lösung könnte sein, eine Police wie beispielsweise eine Risikolebensversicherung abzuschließen, um die Chancen auf einen guten Kredit zu erhöhen. Einen finanziellen Beitrag kann die ältere Generation aber auch auf andere Weise beisteuern. Denkbar ist, dass sie sich an einer Sondertilgung beteiligt oder mehr Eigenkapital dazugibt, um das Mehrgenerationenhaus zu bauen. Jegliche finanzielle Förderung lässt sich familienintern regeln. Ebenso denkbar ist auch, dass im Gegenzug eine Partei später die Lebenshaltungs- und Instandhaltungskosten übernimmt.
 
Für welche Option, das Mehrgenerationenhaus zu finanzieren, Sie sich auch entscheiden: Ganz gleich, ob Sie mit befreundeten Familien oder mit Ihren engsten Angehörigen zusammenziehen, Sie sollten alle Absprachen in einem Vertrag schriftlich festhalten. Ziehen Sie auch einen Anwalt hinzu, um sich rechtlich abzusichern. Das schafft für alle Seiten klare Verhältnisse und beugt Streitereien um Rechte und Finanzen vor, die das Miteinander stark strapazieren können.
 
Einen wichtigen Punkt, den Sie vorab klären sollten, sind die Eigentumsrechte. Bei getrennten Doppelhaushälften und Wohnungen können Sie eine Eigentümergemeinschaft bilden. Ebenso denkbar ist es, separate Einheiten des Mehrgenerationenhauses zu mieten oder an andere Familien zu vermieten. Sind Sie alleiniger Besitzer, können Sie Ihren Angehörigen ein lebenslanges Wohnrecht einräumen. In dem Fall, dass Ihre Eltern oder Großeltern das gemeinsame Haus erworben haben, gibt es eine Möglichkeit, die Erbschaftsteuer geringer zu halten: Sie übertragen Ihnen das Eigentum zu Lebzeiten, und Sie räumen ihnen im Gegenzug ein Nießbrauchrecht ein.
 
Sorgen Sie auch für den Todesfall vor. Gibt es mehrere Erben, sollten Sie beziehungsweise Ihre Eltern oder Großeltern den Umfang des Immobilienerbes in einem Testament genau regeln. Beispielsweise können Sie den mitwohnenden Angehörigen ein Vorkaufsrecht einräumen. Ebenso wichtig ist es, sich gegenseitig abzusichern. Verstirbt ein Angehöriger, wird es für die Hinterbliebenen schwierig, eine so große Immobilie wie ein Mehrgenerationenhaus abzuzahlen. Die Versicherungssumme einer Risikolebensversicherung kann verhindern, dass das Haus aufgrund hoher Schulden in andere Hände übergeht.