Bedeutung für Versicherungen: Was ist die Sterbetafel?

Sterbetafeln dienen zur Berechnung der Lebenserwartung

Sterbetafeln dienen zur Berechnung der Lebenserwartung

Sterbetafeln und die daraus ablesbare Lebenserwartung spielen bei der Berechnung von Versicherungsbeiträgen eine wichtige Rolle

Niedrige Beiträge, aber hohe Versicherungssumme: Damit das funktioniert, müssen die Versicherer gut kalkulieren. Die Lebenserwartung ist ein wesentlicher Faktor bei der Berechnung des Versicherungsschutzes für Renten- und Lebensversicherungen. Zur Ermittlung der Lebenserwartung werden sogenannte Sterbetafeln herangezogen. Wie Sterbetafeln berechnet werden, in welche Bereichen sie zur Anwendung kommen und warum es für Frauen und Männer verschiedene gibt, erfahren Sie hier.

Das sagen Sterbetafeln aus

Eine Sterbetafel ist ein demografisches Modell, dem komplexe statistische Berechnungen zugrunde liegen, mit denen die durchschnittliche Lebenserwartung ermittelt wird. Mithilfe einer Sterbetafel – in Form einer Tabelle – lässt sich die Wahrscheinlichkeit ablesen, wie lange eine Person eines bestimmten Alters voraussichtlich leben wird. Also mit welcher Wahrscheinlichkeit beispielsweise ein 1985 geborener Junge 80 Jahre alt wird. Zudem zeigt sie, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Person eines bestimmten Alters vor Erreichen ihres nächsten Geburtstages voraussichtlich sterben wird, erläutert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Die Berechnung der Lebenserwartung bei der Geburt oder in einem bestimmten Alter ermöglicht damit langfristige historische, aber auch regionale und geschlechtsspezifische Vergleiche.

Die Geschichte der Sterbetafeln

Sterbetafeln gibt es bereits seit der Frühen Neuzeit. Im 17. Jahrhundert, genauer in den 1660er-Jahren, wertete der Brite John Graunt die Sterbeverzeichnisse von London aus. Auf Grundlage dieser Daten berechnete er die Überlebenswahrscheinlichkeit für verschiedene Altersstufen – so entstanden die ersten Sterbetafeln. Damit gilt Graunt als Begründer der modernen Demographie. Im Deutschsprachigen Raum wurde mit der ersten allgemeinen Sterbetafel von 1871/1881 in der amtlichen Statistik die Grundlagen zur Analyse der Lebenserwartung gelegt.

Wer erstellt Sterbetafeln?

Sterbetafeln werden von verschiedenen Anbietern mit unterschiedlichem Fokus erstellt. So fertigen beispielsweise das Statistische Bundesamt, die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) und die berufsständische Vertretung der Versicherungs- und Finanzmathematiker Berechnungen zur Lebenserwartung an. Die Sterbetafeln, die Anbieter von Risikolebensversicherungen oder Rentenversicherungen verwenden, unterscheiden sich von denen des Statistischen Bundesamts. Der Grund dafür ist, dass sie vorsichtigere Prognosen bezüglich des Sterberisikos bzw. der Lebenserwartung stellen. Zudem müssen sie einen gewissen Puffer einberechnen. Auch beziehen sich die Sterbenstafeln, die Versicherungen verwenden, oft nicht auf die gesamte Bevölkerung, sondern nur auf die Gruppe der Versicherten. Das Statistische Bundesamt erstellt dagegen Prognosen zur künftigen Entwicklung der Sterblichkeit der gesamten Bevölkerung in Deutschland.




Hinweis: Die Sterbetafeln der Versicherungen werden regelmäßig von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geprüft. Die BaFin kontrolliert, ob die Werte angemessen sind.




 
 

So werden Sterbetafeln berechnet

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden, um eine Sterbetafel aufzustellen: eine Längsschnittbetrachtung (Kohorten- bzw. Generationensterbetafel) oder eine Querschnittsbetrachtung (Periodensterbetafel).

  1. Längsschnittbetrachtung
    Alle Personen eines Geburtsjahrgangs (oder auch einer Kohorte bzw. Generation) von der Geburt bis zum Tod werden einbezogen. Eine Längsschnitt- beziehungsweise Kohortensterbetafel zeigt damit den spezifischen Sterblichkeitsverlauf und die Lebenserwartung eines Geburtsjahrgangs auf. Voraussetzung ist eine vollständige Beobachtungsreihe aller Altersjahre des entsprechenden Geburtsjahrgangs – damit ist es ein sehr aufwändiges Verfahren. Alle Angehörigen des Geburtsjahrganges müssen bereits verstorben sein, um die Analyse in Gänze auszuführen. Das dauert in der Regel mehr als 100 Jahre. Problematisch bei dieser Betrachtung: Gebietsveränderungen wie beispielsweise Eingemeindungen sowie Zu- und Abwanderung über einen sehr langen Zeitraum erschweren eine vollständige Beobachtungsreihe.
  2. Querschnittsbetrachtung
    Durch Periodensterbetafeln werden die Sterblichkeitsverhältnisse in einem bestimmten Zeitraum betrachtet. Anhand dieser Daten ist es möglich abzuschätzen, wie viele (weitere) Lebensjahre eine Person vor sich hätte, wenn sie ein Leben lang den Sterblichkeitsverhältnissen des untersuchten Zeitraums ausgesetzt wäre. Die Sterbetafeln machen aber keine Angaben dazu, wie sich die Sterblichkeitsverhältnisse in Zukunft verändern werden. Aufgrund der schnellen Verfügbarkeit und der Möglichkeit aktuelle Sterblichkeitsverhältnisse abzubilden, wird die Querschnitts- oder Periodensterbetafel häufig genutzt.




Hinweis: Längsschnitt- und Querschnittstafeln enthalten immer Durchschnittswerte. Wer gesund lebt, einem Beruf nachgeht, der ihn erfüllt und eine glückliche Beziehung führt, kann davon deutlich abweichen. Ebenso wie jemand, der ungesund lebt, einsam ist und einem unbefriedigenden Beruf nachgeht. All das hat Auswirkungen auf die individuelle Lebenserwartung.




In diesen Bereichen kommen Sterbetafeln zur Anwendung

Die Ermittlung der durchschnittlichen Lebenserwartung mithilfe von Sterbetafeln ist zuallererst ein Indikator für den Entwicklungsstand eines Landes in internationalen und zeitlichen Vergleichen. Zudem werden Sterbetafeln in demografischen Untersuchungen für Bevölkerungsvorausberechnungen benötigt und sind in unterschiedlichen Sparten eine Planungsgrundlage – etwa im Gesundheits- und Pflegebereich. Darüber hinaus werden Sterbetafeln für medizinische Analysen und bei versicherungsmathematischen Berechnungen sowie Rentenprognosen eingesetzt.

Die Relevanz von Sterbetafeln für Lebensversicherungen

Sterbetafeln sind ein wichtiger Faktor in der Beitragsberechnung von Lebens-, Renten und Risikolebensversicherungen. Lebensversicherer nutzen in der Regel eine Generationensterbetafel, die von der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), der Berufsvereinigung der Versicherungsmathematiker, herausgegeben wird. Diese Sterbetafeln sind auf einen bestimmten Versicherungszweck ausgerichtet.

Folgende Daten sind für die Berechnung relevant:

  • Angaben der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Angaben des Statistischen Bundesamtes
  • Erfahrungswerte der Versicherungsunternehmen

Die Sterbetafeln der Versicherer versuchen, Entwicklungen, die Auswirkungen auf die Lebenserwartung haben, in der Kalkulation einzubeziehen. Dazu werden auch Erfahrungen aus der Vergangenheit verwendet, die zeigen, was zu einer höheren Lebenserwartung beiträgt.

5 Beispiele für positive Faktoren auf die Lebenserwartung:

  • Medizinischer Fortschritt
  • Gesündere Lebensweise
  • Wachsender Wohlstand
  • Bessere Arbeitsbedingungen
  • Höheres Bildungsniveau

Für die Beitragsberechnung einer Verti Risikolebensversicherung werden neben der Lebenserwartung aber noch weitere individuelle Faktoren herangezogen. Das sind unter anderem der Gesundheitszustand und der Lebensstil – also ob der Versicherte beispielweise raucht. Dazu kommen das Alter oder gefährliche Hobbys wie Freeclimbing oder Apnoetauchen, denen der Versicherte möglicherweise nachgeht. Diese Aspekte können die Sterbewahrscheinlichkeit erhöhen und haben daher ebenfalls einen Einfluss auf den Versicherungsbeitrag.

 
 

Darum werden für Männer und Frauen getrennte Sterbetafeln verwendet

Seit vielen Jahrzehnten ist die Lebenserwartung von Frauen höher. Im Jahr 2021 liegt sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 83,4 Jahren für Mädchen und 78,6 Jahren für Jungen. Aufgrund dieser Differenz werden in der Regel nach Geschlecht getrennte Sterbetafeln ermittelt.




Info: Versicherer betrachten die Lebenserwartung von Frauen und Männern getrennt, da das Geschlecht etwa in der Renten- und Lebensversicherung ein relevanter Faktor der Risikobewertung ist. Viele Versicherungsunternehmen arbeiten dennoch mit einheitlichen Beiträgen – unabhängig vom Geschlecht. Dazu ermitteln die Unternehmen, wie viele Frauen und Männer im Bestand sein werden, also welches unternehmensspezifische Mischverhältnis besteht.




Zwei wesentliche Gründe für die abweichende Lebenserwartung von Frauen und Männern sind unterschiedliche genetische Voraussetzungen – die wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt sind – sowie unterschiedliches Gesundheitsverhalten der Geschlechter. So nehmen Frauen beispielsweise regelmäßiger Präventivuntersuchungen wahr, während Männer eher Vorsorgemuffel sind. Der „Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland“ des Robert-Koch-Instituts (2016) ergab, dass nur 40 Prozent der Männer in Deutschland Termine zur Krebsfrüherkennung nutzen, bei den Frauen sind es mehr als 67 Prozent.
Zudem achten Frauen mehr auf einen gesunden Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung und weniger Alkohol- und Zigarettenkonsum als Männer.

Fazit: Sterbetafeln sind für Versicherungsunternehmen ein wichtiges Messinstrument, um für Produkte wie eine Risikolebensversicherung, die durchschnittliche Todesfallwahrscheinlichkeit der Versicherten während der Vertragslaufzeit zu ermitteln. Denn dies ist ein wesentlicher Faktor zur Berechnung der Beitragshöhe.

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