Benzinpreis Prognose: Wann werden die Spritpreise günstiger?

5 Min Wie sieht die Spritpreise-Prognose für die kommenden Monate aus? Was passiert nach dem Tankrabatt? Und welche Faktoren spielen bei der Entwicklung der Benzinpreise eine Rolle? Die Antworten auf diese Fragen rund um die Lage an der Zapfsäule haben wir hier zusammengefasst

05.08.2022
Ines Rietzler
5 Min

Die Spritpreise in Deutschland sind trotz Senkung der Energiesteuer auf einem hohen Niveau. Aber was passiert ab September, wenn der Tankrabatt ausläuft? Wie geht es mit der Benzinpreisentwicklung weiter? Wie setzen sich die Spritpreise zusammen? Und wie können Autofahrer die Preise an der Zapfsäule beeinflussen? In diesem Artikel gehen wir der Entwicklung der Benzinpreise auf den Grund und klären, wie die Prognose aussieht.

Benzinpreisentwicklung im Jahr 2022

Dass Autofahrer an der Zapfsäule tief in die Tasche greifen müssen, ist nichts Neues. Jedoch nahmen die Preissteigerungen in diesem Jahr ungeahnte Ausmaße an. Anfang März 2022 kostete ein Liter Super E10 durchschnittlich 1,965 Euro, Diesel 1,984 Euro – und es ging weiter nach oben: Vielerorts stiegen die Spritpreise deutlich über 2 Euro pro Liter. Der Durchschnittspreis für einen Liter Superbenzin betrug im Juni 2022 1,994 Euro, im Juli ist er dann auf 1,9605 Euro gesunken.

Grafik Benzinpreisentwicklung Deutschland von 2000 bis heute

Benzinpreisentwicklung in Deutschland von 2000 bis heute

Noch im Jahr 2020 sah das ganz anders aus: Durch die Corona-Krise hatten sich die Benzin- und Dieselpreise erholt. Seitdem geht es, von wenigen Schwankungen abgesehen, bergauf. Laut einer Auswertung des Online-Portals „Clever Tanken“ kostete der Liter Super E10 zum Jahresende 2021 schon 38 Cent mehr als Ende 2020, Diesel sogar 42 Cent; und der Preis stieg weiter: Im Februar 2022 kostete E10 rund 1,7507 Euro pro Liter. Das waren 7 Cent mehr als im Januar und ganze 36 Cent mehr als ein Jahr vorher. Beim Diesel sieht es nicht anders aus: Hier gab es im Vergleich zu 2021 sogar eine Preissteigerung von 40 Cent pro Liter.

Übrigens:

Normalerweise ist Diesel aufgrund der geringeren Besteuerung in Deutschland günstiger als Benzin. Jedoch dürften sich Diesel-Fahrer in den letzten Monaten gewundert haben. Denn Diesel war teurer als Benzin. Das liegt an der plötzlich starken Nachfrage nach Heizöl, da viele Hausbesitzer Lieferschwierigkeiten befürchten, sowie an der sinkenden Einfuhr von Diesel aus Russland.

Wie hat sich der Tankrabatt auf die Spritpreise ausgewirkt?

Um die Bürger zu entlasten, hat die Bundesregierung im Juni ein milliardenschweres Entlastungspaket auf den Weg gebracht. Ein Bestandteil ist die Senkung der Energiesteuer auf Sprit – der sogenannte Tankrabatt. Damit sollten nach den Berechnungen der Bundesregierung die Preise beim Benzin um 35 Cent und beim Diesel um 17 Cent sinken. Aber was hat der Tankrabatt wirklich bewirkt?

Der Start war zumindest verhalten. Im Juni lagen die Preise für Superbenzin meist noch über 2 Euro, beim Diesel sogar über 2,10 Euro. Doch im Juli konnten die Autofahrer nach einer Auswertung von „Clever Tanken“ etwas durchatmen. Im bundesweiten Monatsmittel betrugen die Kosten für einen Liter Super E10 demnach 1,7975 Euro – den niedrigsten Wert seit Februar. Das liegt jedoch nicht nur am Tankrabatt, sondern auch am Ölpreis, der im Juli gesunken ist.

Benzinpreisprognose: Wie geht es nach dem Tankrabatt weiter?

Ende August fällt der Tankrabatt weg. Dass die Preise an den Zapfsäulen dann wieder steigen werden, darin sind sich die Experten einig. Die Frage ist nur, wie hoch die Preissteigerung ausfallen wird. Laut einem Bericht von Focus online könnte es ab 1. September drei Szenarien geben:

  1. Diesel und Benzin kratzen leicht an der 2-Euro-Grenze, aber steigen nicht über 2,10 Euro.
  2. Der Preis für einen Liter Diesel steigt deutlich auf über 2,10 Euro, der für Benzin auf über 2,15 Euro. Damit wäre Diesel wieder günstiger als Benzin.
  3. Der Preis für Diesel steigt auf über 2,10 Euro, Benzin auf über 2,20 Euro.

Szenario 1 könnte eintreten, weil der Ölpreis seit Juli leicht gesunken ist. Das heißt aber nicht, dass Szenario 2 unrealistisch ist, denn die unsichere Lage macht konkrete Prognosen unmöglich. Lediglich von einer deutlichen Preissteigerung über 2,20 Euro, wie in Szenario 3 beschrieben, gehen Experten aufgrund des gesunkenen Rohölpreises nicht aus.

Spritpreis-Entwicklung: Was bringt die Freigabe der Ölreserven?

Um dem extremen Preisanstieg von Rohöl entgegenzuwirken, wollte die Bundesregierung Anfang März einen Teil der nationalen Ölreserven freigegeben. Auch international sollten insgesamt 60 Millionen Barrel Rohöl freigegeben werden, die Hälfte allein durch die USA. Die nationalen Ölreserven sind generell dazu gedacht, in Krisensituationen Preissteigerungen abzufangen und Engpässe zu überbrücken. Aber sorgt diese Maßnahme dafür, dass die Kraftstoffpreise sinken? Das hänge von der freigegebenen Menge sowie der Reaktion des Marktes ab, sagen Experten. Allein die deutschen Ölreserven könnten die Entwicklung nicht bremsen, eine internationale Aktion könnte sich aber prinzipiell günstig auf die Preise auswirken.

Zusammenfassend sieht die Benzinpreis-Prognose für die nächste Zeit nicht besonders gut aus. Nach Wegfall des Tankrabatts werden die Preise wohl wieder anziehen. Es gibt jedoch momentan weltweit viele Entwicklungen, die die Spritpreise in die ein oder andere Richtung beeinflussen können. Das macht eine verlässliche Vorhersage schwierig.

Grafik Zusammensetzung der Benzin- und Dieselpreise

Wie setzt sich der Benzinpreis zusammen?

Man hat es schon geahnt: Ein großer Teil des Spritpreises sind Steuern und Abgaben. Zum einen ist das die Energiesteuer, früher Mineralölsteuer genannt. Diese Steuer wird im Rahmen des Tankrabatts noch bis Ende August gesenkt. Sie beträgt normalerweise 65,45 Cent pro Liter Super-Benzin und 47,04 Cent pro Liter Diesel. Hinzu kommt der Erdölbevorratungsbeitrag, kurz EBB, der bei Benzin und Diesel 0,356 Cent pro Liter ausmacht. Zum anderen kommt auch bei Sprit die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf den Verkaufspreis hinzu.

Aber das ist noch nicht alles: Auch die CO2-Abgabe treibt die Spritpreise nach oben. Diese wurde 2021 eingeführt und wird sich in den nächsten Jahren weiter erhöhen. Seit Januar 2022 beträgt diese 30 Euro pro Tonne CO2.

Nach einer Berechnung der Stuttgarter Nachrichten machen Steuern und Abgaben insgesamt circa 56 Prozent des Gesamtpreises von Benzin aus, beim Diesel sind es circa 48 Prozent.

Grafik Zusammensetzung der Benzin- und Dieselpreise

So setzt sich der Benzinpreis und der Dieselpreis zusammen

Darüber hinaus gibt es noch weitere Punkte, die die Benzinpreise beeinflussen können. Dazu gehören:

  • Der aktuelle Rohöl-Preis
  • Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt
  • Weltweite Konflikte wie aktuell der Krieg in der Ukraine
  • Kosten für den Transport zur Zapfsäule sowie Lagerhaltung, Vertrieb, Weiterverarbeitung und Gewinn der Mineralölkonzerne
  • Der aktuelle Dollarkurs, da Benzin fast ausschließlich in Dollars gehandelt wird
  • Wettbewerb zwischen den Tankstellenbetreibern
  • Tagesverlauf: Laut einer Auswertung des ADAC ist Tanken morgens am teuersten. Um 7 Uhr erreicht der Peis seinen Höhepunkt. Anschließend fällt er und steigt nach 9 Uhr wieder an. Über den Tag verteilt gibt es weitere Preisspitzen. Regelmäßig am niedrigsten liegen die Preise zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr

Die Rolle der CO2-Abgabe bei der Entwicklung der Spritpreise

Am 1. Januar 2022 ist die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe von 25 auf 30 Euro gestiegen. Das wirkt sich auf Benzin- und Dieselpreise aus. Der ADAC prognostiziert dadurch im Vergleich zu 2021 einen Preisanstieg für Benzin von circa 1,4 Cent pro Liter und für Diesel um 1,5 Cent pro Liter.

Die CO2-Abgabe wird bis 2025 schrittweise angehoben und beträgt dann 55 Euro pro Tonne CO2. Dadurch soll durch die CO2-Bepreisung der Liter Benzin im Jahr 2023 nochmal um 1,4 Cent, 2024 um 2,8 und 2025 um 2,4 Cent teurer werden. Für Diesel betragen die Preissprünge 1,5 Cent, 3 Cent und noch einmal 3 Cent.

Die CO2-Abgabe sorgt also insgesamt von Ende 2020 bis 2025 für eine Preissteigerung von 15 Cent pro Liter Benzin und 17 Cent pro Liter Diesel.

Tipp:

Was sich im Jahr 2022 für Autofahrer noch ändert, können Sie in unserem Ratgeber-Artikel zum Autojahr 2022 nachlesen.

Günstiger Tanken und Benzinpreise beeinflussen: 3 Tipps

Die Benzinpreisentwicklung können Autofahrer nicht aufhalten, aber sie können durch die Wahl der Tankstelle und des Zeitpunkts sowie durch ihr Fahrverhalten Geld sparen. Wie Autofahrer spritsparend und damit umweltschonend fahren, haben wir in unserem Ratgeber-Artikel zusammengefasst. Und so können Autofahrer an der Zapfsäule sparen:

  1. Zum richtigen Zeitpunkt tanken: Laut ADAC kostet es morgens am meisten. Am niedrigsten sind die Preise zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr.
  2. Dort tanken, wo es am billigsten ist: Auch die Tankstellen stehen in ständiger Konkurrenz zueinander. Wenn Autofahrer immer die günstigste Tankstelle anfahren, können sie so den Preis positiv beeinflussen.
  3. Preisvergleich-Seiten nutzen: Auf Seiten wie clever-tanken.de, mehr-tanken.de oder über die Kraftstoffpreis-Suche des ADAC finden Autofahrer die günstigste Zapfsäule in ihrer Umgebung.

Tipp:

Wie viel eine E-Auto-Ladung im Vergleich zum Sprit kostet und wie teuer ein E-Auto im Vergleich zu Verbrennern insgesamt ist, erfahren Sie in unserem Artikel: Was kostet ein E-Auto?

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Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier:

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