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Wüstensand in Deutschland? Ja! Auch, wenn es zunächst ungewöhnlich klingt, ist es gar nicht so selten, dass durch bestimmte Wetterkonstellationen Staub aus der Sahara zu uns nach Mitteleuropa gelangt. Sichtbar wird das Wetterphänomen durch getrübtes Licht am Himmel und feinen, roten Sandstaub, der sich je nach Region beispielsweise auf Schnee, Fenstern und Autos zeigt. Wenn dann noch der Saharastaub in der Luft auf Niederschlag trifft, fällt „Blutregen“ vom Himmel. Kein Wunder also, dass Saharastaub immer wieder Thema in Europa ist. Welche Ursachen es dafür gibt, was der Staub für die Gesundheit bedeutet und worauf man generell achten sollte, erfahren Sie hier.
Wie kommt der Saharastaub nach Europa?
In der Sahara entstehen jährlich Millionen Tonnen feinen, rötlichen Staubs, der eine Mischung aus Quarz, Aluminosilikaten, Eisenoxid sowie auch Kalzit und Gips ist. Winde, beispielsweise Passatwinde, transportieren diese winzigen Sandpartikel aus der afrikanischen Wüste schnell in große Höhen und danach oft über weite Strecken. Hohe bis mittelhohe Wolkenfelder und südliche Winde sorgen dann dafür, dass Saharastaub bis ins tausende Kilometer entfernte Deutschland gelangt – sich aber auch in verschiedene andere Richtungen verweht. Laut Deutschem Wetterdienst, kurz DWD, verteilen sich so die Millionen Tonnen Saharastaub durch die Atmosphäre über Nordafrika, den Nordatlantik und Europa.
Gesundheitliche Risiken im Überblick
Die gute Nachricht zuerst: Saharastaub ist nicht giftig und wer sich normaler Gesundheit erfreut, wird normalerweise keine größeren Probleme zu erwarten haben. Anders sieht das für diejenigen aus, die gesundheitlich angeschlagen sind. Die winzigen Staubpartikel können mit ihrer Größe von teilweise unter 2,5 Mikrometer über die Atemwege die Lunge erreichen, was zu einer gesundheitlichen Belastung führt. Gerade für Menschen, die durch Atemwegserkrankungen wie beispielsweise Asthma oder COPD vorbelastet sind, hat das Einatmen von Saharastaub möglicherweise spürbare Verschlechterungen zur Folge: Asthmaanfälle und erschwertes Abhusten sind typische Symptome, aber auch Entzündungsreaktionen, oxidativer Stress und Zellschäden können auftreten. Die Entzündungsreaktionen sind auf Bakterienbestandteile im Saharastaub zurückzuführen, welche dann in den Körper gelangen. Auch für den Herzkreislauf-Erkrankungen kann der längere Kontakt mit Saharastaub sich negativ bemerkbar machen, Staubpartikel, die weniger als 0,1 Mikrometer groß sind, können Herzkreislauf-Erkrankungen sogar auslösen.
Wer sich vor diesem Feinstaub schützen möchte, sollte die Zeit an der Luft auf ein Minimum beschränken und vor allem Outdoor-Sportarten vermeiden. Menschen mit Vorerkrankungen können zur Atemmaske (FFP2 oder FFP3) greifen, um ihre Atemwege zu schützen. Auch das Lüften der Wohnung gilt es ausnahmsweise zu meiden, um den Staub nicht in die eigenen vier Wände wehen zu lassen. Über den Deutschen Wetterdienst oder das Umweltbundesamt können jederzeit Informationen zum Stand des Saharastaubs in Deutschland abgerufen werden.
Was ist „Blutregen“ oder „roter Regen“ und wie entsteht er?
Der martialisch klingende Begriff „Blutregen“ ist eine Bezeichnung für Niederschläge, die durch Wüstenstaub rot beziehungsweise rötlich-bräunlich gefärbt sind. Der Regen wäscht die Sand- und Staubpartikel aus der Atmosphäre, weshalb er die typische Farbe annimmt.
In Mitteleuropa stammen die Blutregenpartikel aus dem Sand der Saharawüste. Vor allem im Frühjahr gelangt durch hohe Windgeschwindigkeiten und Stürme immer mal wieder Wüstenstaub in die Erdatmosphäre, der bis in unsere Breiten gelangt und hier in Verbindung mit Niederschlag zu diesem interessanten Wetterphänomen führt.
Auswirkungen auf Umwelt, Autos und die Kfz-Versicherung
Während zu den positiven Auswirkungen des Saharastaubs seine Funktion als Pflanzendünger in Gebieten des Amazonas und der Karibik gehört, kann sich der Feinstaub auch negativ auf die Umwelt auswirken: Der Staub in der Luft ist in der Lage, Sonnenreflexion zu verhindern – das wiederum hemmt das Wachstum von Pflanzen. Legt sich der Staub auf Schnee und Gletschern hab, kann dies zu schnellerem Schmelzen jener führen, da die dunklere Oberfläche die Sonnenwärme nicht reflektieren kann. Auch die Wasserqualität leidet unter zu viel Saharastaub.
Ärgerlich wird der Staub auch, wenn er sich auf Fahrzeugen, Fenstern, Terrassen und Outdoormöbeln festsetzt. Je länger die Staubschicht auf Fahrzeugen und anderen Flächen bleibt, desto fester setzt sie sich fest. Bei Fahrzeugen kann es sogar zu Lackschäden kommen, die Filter von Fahrzeuglüftung und Motorradraum können verstopfen und Scheiben, Sensoren und Scheinwerfer in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch Photovoltaikanlagen leiden unter der Feinstaubschicht und produzieren weniger Solarstrom. Deshalb gilt es, alles möglichst schnell vom Staub zu befreien.
Lackschaden durch Saharastaub?
Kommt es doch zum Lackschaden beim Fahrzeug, kann dieser über eine bestehende Vollkaskoversicherung reguliert werden – doch hier ist anschließend die Einstufung in eine höhere Schadenfreiheitsklasse eine Folge. Es lohnt sich also, Kosten und Nutzen abzuwägen.
Nach Saharastaub das Auto waschen: So funktioniert‘s
Mit diesen Tipps wird das Fahrzeug den Saharastaub im Nu los:
- Direkt handeln: Das Auto schnellstmöglich vom Saharastaub befreien, da er sich bei Sonneneinstrahlung in den Lack einbrennen kann.
- Am einfachsten geht dies in der Waschanlage.
- Für Selbstwäscher (falls am Wohnort erlaubt): Am besten nur Wasser für die grobe Entfernung verwenden und bloß nicht mit einem Tuch über den sandigen Lack streichen. Denn dies kann wie ein Schmirgelpapier wirken und den Lack beschädigen. Falls es schon zu spät ist: Eine Anleitung zum Ausbessern von Lackkratzern findet sich im Ratgeber „Autokratzer entfernen“.
- Innenraum nicht vergessen: Mit einem feuchten Lappen am Armaturenbrett testen, ob auch der Innenraum verschmutzt ist. Falls ja, reinigen man diesen mit Staubsauger und Tuch.
- Tipp: Lappen und Tücher während der Autowäsche häufig auswaschen, damit der Sand nicht weitergetragen wird.
- Pollenfilter des Autos prüfen: Wenn dieser schon länger nicht mehr gewechselt wurde, kann er durch die Staubpartikel nun überfüllt sein und diese eventuell in den Innenraum abgeben, statt die Luft zu filtern.
Saharastaub und Blutregen: Häufigkeit, Vorhersage und Monitoring durch Wetterdienste
Dass sich Saharastaub bis zu uns nach Deutschland bewegt, ist kein seltenes Phänomen: Meistens geschieht das sogar von der Bevölkerung unbemerkt. Insgesamt ist der Süden Deutschlands mit circa 60 Tagen im Jahr häufiger mit dem Feinstaub konfrontiert als der Norden des Landes.
Wann es der nächste Staub aus der Sahara bis zu uns schafft, kann nicht genau vorhergesagt werden. Am häufigsten ist das Phänomen allerdings zwischen März und Juni sowie Oktober und November zu beobachten, meistens jeweils nur wenige Stunden lang. Wetterdienste und Meteorologen kündigen meist einige Tage vorher an, wann es Saharastaub in Deutschland geben wird. Wer sich über den Saharastaub und weitere Wetterphänomene informieren möchte, kann auf der Website des Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) vorbeischauen.
Gut zu wissen: Fakten zum Saharastaub
Blutregen gab es schon in der Antike und im Mittelalter. Damals galt der rötlich gefärbte Regen als schlechtes Omen – ein Vorzeichen für Hungersnöte oder Krieg.
Und: Auch, wenn viele den Saharastaub als Ärgernis empfinden, hat er in anderen Teilen der Erde positive Auswirkungen. Denn er weht nicht nur zu uns in den Norden, sondern breitet sich großflächig in alle Richtungen aus – und das mit positiven Folgen: Durch seine enthaltenen Mineralien ist er eine Art Dünger für den südamerikanischen Urwald.
FAQ
Bei Saharastaub handelt es sich, wie der Name schon verrät, um sehr feinen Mineralstaub aus der Wüste Sahara. Die winzigen Partikel gelangen über starke Winde bis in hohe Luftschichten und werden über diese in der Welt verteilt: Nach Europa, aber auch bis in den Amazonas zum Beispiel.
Da es sich um Feinstaub handelt, kann dieser für Mensch, Tier und Umwelt zur gesundheitlichen Belastung werden. Je nach Intensität kann Saharastaub unbemerkt bleiben, doch vor allem Personengruppen, die gesundheitlich angeschlagen sind, an Asthma oder COPD leiden oder Herzkreislauf-Erkrankungen haben, können eine Verschlimmerung ihrer Symptome feststellen. Doch auch für gesunde Menschen ist der längere Kontakt mit dem Staub gefährlich: Die Partikel sind teilweise klein genug, um bis in die Lunge zu gelangen und dort Schaden anzurichten.
Zuerst einmal lohnt es sich, die Wettervorhersagen regelmäßig zu prüfen: Saharastaub schafft es mehrmals im Jahr bis nach Deutschland. Gerade mit gesundheitlicher Vorbelastung ergibt es also Sinn, informiert zu bleiben. Ist es dann so weit und der Staub verteilt sich in der Umgebung, sollte man Outdoor-Aktivitäten meiden, das Lüften der Wohnung auf ein Minimum beschränken und bei besonders hoher Sensibilität eine Atemmaske tragen.
Kommt der feine Saharastaub in Verbindung mit Regen, entsteht ein rot-bräunliches Gemisch, welches als „Blutregen“ bezeichnet wird. Er ist nicht gefährlich, sollte aber – wie auch der Saharastaub – möglichst schnell von Autos, Motorrädern und anderen Kraftfahrzeugen entfernt werden. Andernfalls drohen Lackschäden.
Der feine Saharastaub schafft es in der Regel bis zu 15 Mal im Jahr nach Europa, vor allem im Frühjahr und Sommer, wenn die Luftmassenbewegung besonders intensiv ist. In Deutschland ist der Süden dabei in der Regel häufiger betroffen als der Norden des Landes. Ankündigungen über ankommenden Saharastaub finden sich meist kurzfristig auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes (DWD) oder anderen Wetterportalen online. Genaue Vorhersagen, die weiter in die Zukunft reichen, gibt es nicht.

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