Kollision mit einem Wildtier: Für welche Schäden kommt die Kfz-Versicherung auf?

Nicht jeder Unfall mit einem Tier zählt als Wildunfall - Nicht jede Police reguliert alle Wildschäden - Wichtig ist es, immer die Polizei zu verständigen

Kollision mit einem Wildtier: Für welche Schäden kommt die Kfz-Versicherung auf?
Leider sind Wildunfälle keine Seltenheit. Wenn es doch zu einer unerwarteten Kollision kommt, sind erhebliche Sach- und Personenschäden die Folge. Statistisch gesehen ist das Risiko, einen Wildunfall in der Nähe eines Waldes zu bauen, besonders während der Morgen- und der Abenddämmerung hoch. Rechtlich gesehen werden alle Unfälle mit Wildtieren als Wildunfälle bezeichnet. Was unter einem Wildtier zu verstehen ist, regelt ebenfalls das Gesetz. Da man als Autofahrer oftmals einem Crash gar nicht ausweichen kann, wird erst einmal kein Eigenverschulden unterstellt. Hierbei stellt sich jedoch als nächstes die Frage, wer für die entstandenen Schäden aufkommt. Vor allem bei Wildschäden am eigenen Fahrzeug gehen viele Kfz-Halter automatisch davon aus, dass die Kfz-Haftpflicht die Reparatur nach einem Unfall finanziert. 
Vorab muss man wissen, dass es hinsichtlich der Versicherungsleistung einen Unterschied macht, mit welchem Tier genau man einen Unfall hatte. Wildtiere – selten auch als Haarwild bezeichnet – sind durch das Bundesjagdgesetz genau definiert. Zu den großen Wildtieren zählen Gams-, Reh-, Rot-, Stein-, Muffel- und Schwarzwild. Zu den mittleren und kleinen Wildtieren rechnet man  beispielsweise Luchse und Füchse, Schnee- und Feldhasen, Wildkatzen, Baum- und Steinmarder, Hermelin, Fischotter, Dachse und Iltisse. Bei Unfällen mit Katzen, Hunden und anderen Haustieren haftet der Tierhalter bzw. seine Tierhalter-Haftpflicht-Versicherung, solange der Vierbeiner einem Besitzer zugeordnet werden kann. Andernfalls hat man schlicht Pech gehabt. Gleiches gilt für Kollisionen mit Kühen, Pferden und anderen Nutztieren.
Darauf ist zu achten: Bei einem Wildunfall sollte immer die Polizei gerufen werden, damit der Schaden korrekt aufgenommen und  das zuständige Forstamt informiert werden kann. Zur Sicherheit kann man Fotos vom Unfallort machen und Namen und Telefonnummern von Zeugen notieren, wenn man denn nicht ganz allein auf weiter Flur steht.
 

Wildschaden: Welche Police für Wildunfälle aufkommt


Kfz-Haftpflicht: Kommt es auf der Straße zu einem Unfall mit Wildtieren, dann reguliert die Kfz-Haftpflicht lediglich den Schaden, der anderen zugefügt wurde. Dabei kann es sich um weitere beteiligte Verkehrsteilnehmer oder die Gemeinde handeln, die nach dem Unfall zerbeulte Leitplanken oder platte Verkehrsschilder ersetzen muss. Beschädigungen am eigenen Auto werden von der Kfz-Haftpflicht des Autofahrers nicht getragen.
Teilkasko: Dagegen sind Wildunfälle in den meisten Fällen Bestandteil der Teilkaskoversicherung; vorausgesetzt, der Schaden mit dem Tier ist beim Fahren entstanden und nicht durch einen Aufprall am geparkten Auto. Allerdings zahlt die Teilkaskoversicherung selbst bei dieser Voraussetzung nur unter bestimmten Bedingungen. Denn wenn man einem Wildtier auf der Fahrbahn ausweicht und einen Unfall verursacht, kann man den vermiedenen Zusammenstoß schlecht nachweisen. Es sei denn, es gibt Zeugen, die den Hergang bestätigen. Unabhängig davon, sind Versicherungen nicht grundsätzlich verpflichtet, ein Ausweichmanöver oder eine Notbremsung bei kleineren Tieren zu akzeptieren, da man in diesen Fällen grobe Fahrlässigkeit unterstellt. Das Risiko für schwere Unfälle wird auf diese Weise nämlich deutlich erhöht. Vielmehr hat man die Pflicht, einen Zusammenstoß mit kleinen Tieren in Kauf zu nehmen, um Schlimmeres zu vermeiden. Ob es sich um grobe Fahrlässigkeit handelt oder nicht, bleibt eine Einzelfallentscheidung, die im Ernstfall vor Gericht zu entscheiden ist. 
Wenn die Teilkasko-Versicherung die Kosten für den Wildunfall trägt, entstehen keine finanziellen Nachteile bei der zukünftigen Beitragsberechnung, da keine Herabstufung der Schadenfreiheitsklasse erfolgt. Die Kfz-Versicherung wird weiterhin so berechnet, als wäre kein Schaden gemeldet worden.
Vollkasko: Auch wenn die Bedingungen, unter denen eine Teilkasko den Schaden nicht trägt, nicht erfüllt sind: Eine Kfz-Vollkasko  kommt in beinahe jeden Fall für die Schäden am eigenen Wagen auf. Sie bietet einen sehr umfassenden Schutz gegen die finanziellen Folgen von Wildunfällen. Dabei sind die Leistungen, die eine Kfz-Haftpflicht bzw. Teilkasko erbringen selbstverständlich inkludiert. Damit einher geht jedoch eine Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse und entsprechend höhere Versicherungsbeiträge. 
Muss ein Totalschaden in Folge eines Wildunfalles festgestellt werden, zahlt eine Teilkasko lediglich den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges. Nur eine Vollkasko mit der Klausel auf Neupreisentschädigung kann an dieser Stelle den Verlust vollumfänglich regulieren.