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Langsamer fahren als die Polizei erlaubt

5 MinManchmal sorgt nicht zu schnelles, sondern zu langsames Fahren für Probleme im Straßenverkehr – und kann sogar ein Bußgeld nach sich ziehen.

Faltige Hände am Lenkrad eines Autos
Lena Eichwald
13.01.2026
5 Min

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, ob man zu langsam fahren kann? Wer sich im Schneckentempo über die Straße bewegt, bringt nicht nur den Verkehrsfluss durcheinander, sondern riskiert unter Umständen sogar ein Bußgeld. Während Geschwindigkeitsüberschreitungen jedem bekannt sind, bleibt oft unklar, welche Regeln für zu langsames Fahren gelten und ab wann die Polizei tatsächlich einschreitet.

Wann ist langsames Fahren erlaubt – und wann nicht?

Langsames Fahren ist im Straßenverkehr nur dann erlaubt, wenn ein triftiger Grund wie eine Panne vorliegt. Die Straßenverkehrsordnung verlangt, dass Autofahrer ihre Geschwindigkeit immer den jeweiligen Umständen anpassen müssen. Bei Nebel, Schnee oder starkem Regen ist es erforderlich, das Tempo zu drosseln, um innerhalb der Sichtweite sicher bremsen zu können. Auch wenn Kinder, ältere oder hilfsbedürftige Menschen in der Nähe sind, muss die Geschwindigkeit reduziert werden, um Gefahren zu vermeiden. In solchen Fällen schützt langsames Fahren nicht nur Sie selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.

Anders sieht es aus, wenn Autofahrer ohne Grund extrem langsam fahren und damit den Verkehrsfluss behindern. In § 3 Abs. 2 StVO steht ausdrücklich, dass niemand ohne triftigen Grund so langsam fahren darf, dass er den übrigen Verkehr aufhält. Wer also ohne ersichtlichen Anlass im Schleichtempo über die Landstraße rollt oder auf der Autobahn die linke Spur blockiert, verstößt gegen die Verkehrsregeln und riskiert ein Bußgeld.

Zusammengefasst gilt: Langsames Fahren ist dann erlaubt, wenn es die Wetterlage, die Straßenverhältnisse oder besondere Situationen erfordern. Wer hingegen ohne ersichtlichen Anlass bummelt und damit andere behindert, handelt ordnungswidrig und muss mit Konsequenzen rechnen.

Warum ist langsames Fahren gefährlich?

Warum kann langsames Fahren im Straßenverkehr gefährlich sein? Vielen erscheint es auf den ersten Blick harmlos, doch wer ohne Grund deutlich langsamer fährt als erlaubt, bringt andere Verkehrsteilnehmer schnell in brenzlige Situationen. Gefährlich ist dabei nicht das langsame Tempo an sich, sondern die Tatsache, dass es den Verkehrsfluss stört, andere zu riskanten Manövern verleitet und so die Unfallgefahr erhöht.

Besonders problematisch wird langsames Fahren in folgenden Situationen:

  • Auf der Autobahn: Wer auf der linken oder mittleren Spur mit deutlich zu geringer Geschwindigkeit fährt, zwingt andere zu abruptem Bremsen oder riskanten Spurwechseln.
  • Bei dichtem Verkehr: Wenn ein Auto unnötig langsam fährt, kann das Staus verursachen und Auffahrunfälle begünstigen.
  • In unübersichtlichen Kurven oder bei Überholvorgängen: Ein langsames Fahrzeug verleitet andere Fahrer zum Überholen an gefährlichen Stellen.
  • An grünen Ampeln oder auf Landstraßen: Wer trotz freier Fahrbahn im Schneckentempo fährt, löst Unmut und unbedachte Fahrmanöver bei anderen aus.

Dazu zwei Beispiele:

Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einer Landstraße mit Tempo 80, erlaubt wären 100. Hinter Ihnen bildet sich eine Schlange ungeduldiger Autofahrer. Ein Fahrzeug setzt schließlich zum Überholen an, obwohl die nächste Kurve schon in Sichtweite ist. Weil Ihr langsames Tempo den übrigen Verkehr ausbremst, erhöht sich der Druck auf die anderen Fahrer und damit das Risiko eines gefährlichen Überholmanövers.

Ein weiteres Beispiel: Auf der Autobahn rollt jemand dauerhaft mit 90 km/h auf der mittleren Spur, obwohl die rechte Spur frei wäre. Nachfolgende Fahrer müssen abrupt abbremsen oder plötzlich die Spur wechseln. Gerade bei dichtem Verkehr können daraus schnell gefährliche Situationen entstehen, bei denen Auffahrunfälle oder riskante Überholversuche drohen.

Wussten Sie? Auf der Autobahn existiert oft die Fehlinterpretation, dass man mindestens 60 km/h fahren muss. Tatsächlich bezieht sich dieser Wert darauf, dass Fahrzeuge technisch in der Lage sein müssen, 60 km/h zu erreichen, nicht darauf, dass man dies dauerhaft tun muss. In Deutschland schreibt das Gesetz nicht grundsätzlich eine Mindestgeschwindigkeit vor – außer es ist durch Verkehrszeichen explizit geregelt. Wenn Verkehrszeichen eine Mindestgeschwindigkeit vorschreiben (z. B. Zeichen 275), ist diese verbindlich. Unter normalen Bedingungen darf nicht darunter gefahren werden. Wenn jemand zu langsam fährt und ohne triftigen Grund den Verkehr behindert, droht etwa ein Verwarngeld von 20 €.

Richtiges Verhalten im Umgang mit langsamen Fahrern

Was, wenn ich hinter einem langsamen Fahrer feststecke? Dann ist Geduld gefragt. Ärger und Hupen bringen weder Sie noch andere Verkehrsteilnehmer sicherer ans Ziel. Stattdessen sollten Sie Ruhe bewahren und prüfen, welche Möglichkeiten Sie haben, ohne das Risiko zu erhöhen.

Erlaubt ist es, den langsamen Fahrer an der nächsten geeigneten Stelle zu überholen, sofern dies die Straßen- und Sichtverhältnisse zulassen. Auf Landstraßen bedeutet das: Bei durchgezogener Mittellinie ist das Überholen verboten. Im Idealfall gibt es eine Überholspur, ansonsten mit genügend Abstand und unter Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit überholen. Auf Autobahnen dürfen Sie langsame Fahrzeuge auf der linken Spur überholen, solange Sie dabei keine anderen gefährden. Auch ein Spurwechsel auf die rechte Fahrbahn ist möglich, wenn diese frei ist und Sie die vorgeschriebene Fahrweise beachten.

Verboten ist es hingegen, dicht aufzufahren, zu drängeln oder gar rechts auf Autobahnen an normalen Stellen zu überholen. Auch das absichtliche Ausbremsen oder riskante Überholmanöver in unübersichtlichen Kurven, an Kreuzungen oder bei schlechter Sicht sind nicht erlaubt. Solche Handlungen gefährden nicht nur den langsamen Fahrer, sondern auch Sie selbst und andere Verkehrsteilnehmer. Wer diese Regeln missachtet, muss zudem mit empfindlichen Bußgeldern und Punkten in Flensburg rechnen.

Langsam fahren im europäischen Ausland

Im europäischen Ausland gelten oft ähnliche Grundprinzipien wie in Deutschland, aber Details zu Mindestgeschwindigkeiten, Ordnungswidrigkeiten oder Verkehrshindernissen können sich zwischen den Ländern deutlich unterscheiden. Das gilt besonders, wenn es darum geht, ob zu langsames Fahren strafbar ist oder nicht.

Beispiele:

In Spanien gilt auf „Autopistas“ und „Autovías“ eine allgemeine Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h. Fahrzeuge, die das nicht leisten, dürfen diese Straßen nicht nutzen. Bei schwierigen Bedingungen kann die Mindestgeschwindigkeit abgesenkt werden.

In Frankreich sind Fahrzeuge, die nicht dauerhaft mindestens 60 km/h fahren können, von Autobahnen ausgeschlossen. Zudem darf die linke Spur nur nutzen, wer dort mindestens 80 km/h fahren kann, sofern die Bedingungen es erlauben.

In Österreich gilt auf Autobahnen die Vorgabe, dass Fahrzeuge laut Straßenverkehrsordnung mindestens 60 km/h erreichen können müssen. Die Regelung ähnelt damit stark den deutschen Vorschriften. In der Schweiz wurde das Verkehrsrecht im Jahr 2016 angepasst. Dort gilt auf der Überholspur von Autobahnen, dass Fahrzeuge eine Geschwindigkeit von mindestens 100 km/h fahren oder überschreiten können müssen, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern.

Es existieren also ausdrückliche Regeln, die das „Behindern des Verkehrs“ untersagen. Fährt man ohne triftigen Grund auffällig langsam, kann das auch dort als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, abhängig von Land, Straße und Situation. Wird ein langsamer Fahrer zum Hindernis, etwa auf Autobahnen oder Schnellstraßen, droht unter Umständen ein Bußgeld.

Für Reisende empfiehlt es sich, vor Fahrtantritt die jeweiligen Verkehrsregeln des Ziellandes zu prüfen. Vor allem auf den Autobahnen verschiedener Länder, wo Mindestgeschwindigkeiten oder Durchfahrtsvorgaben üblich sein können. Wer sich an die allgemeinen Prinzipien hält, also nur so langsam wie nötig und ohne den Verkehr zu blockieren, bewegt sich innerhalb der Verkehrsregel sicher im rechtlichen Rahmen.

Fazit

Ein zu langsames Fahrtempo kann im Straßenverkehr ebenso gefährlich sein wie zu schnelles Fahren. Zwar erlaubt die StVO bei besonderen Umständen wie Nebel, Regen oder glatter Fahrbahn ein verringertes Tempo, doch ohne triftigen Grund darf niemand den Verkehrsfluss behindern. Das bedeutet: Wer langsamer fährt, muss dies nachvollziehbar begründen können – etwa durch Witterung, schlechte Sicht oder eine besondere Verkehrssituation.

Für alle anderen gilt: Ruhe bewahren, Abstand halten und mit Vorsicht reagieren. So lassen sich riskante Manöver vermeiden und die Sicherheit bleibt für alle Verkehrsteilnehmer gewährleistet.

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