Spezialist oder Generalist: Ganzjahresreifen versus Winterreifen

Der Ganzjahresreifen ist auf dem Vormarsch – im Vergleich ist er jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen die bessere Wahl

Spezialist oder Generalist: Ganzjahresreifen versus Winterreifen
Obwohl man Mitte Oktober selbst noch nicht vom Einbruch des Winters reden würde, sprechen die Gegebenheiten eindeutig für spezielle Reifen am Auto. Schon ab 7 Grad Plus verfestigen sich die Gummimischungen von Pneus, die als Sommerreifen deklariert sind. In der Folge lässt der Grip nach, der Reifen verliert an Haftung, was zur Verlängerung des Bremswegs führt. Das Material von Winterreifen bringt dagegen alle Eigenschaften eines guten Autoreifens erst dann auf die Straße, wenn die Temperaturen fallen und Nässe und Niederschlag zur Herausforderung werden. Sie bleiben geschmeidig und bieten ein Plus an Sicherheitsreserve. Genau deshalb vertraut etwa die Hälfte der Autofahrer in Deutschland auf Winterreifen und macht sich spätestens ab September bereit zum Reifenwechsel.

Was ist der Unterschied zwischen Winterreifen und Sommerreifen?

Aktuelle Erhebungen lassen einen neuen Trend erkennen: um Geld für einen zweiten Reifensatz (Sommerreifen und Winterreifen) zu sparen und das für viele lästig gewordene Reifenwechseln im Frühling und Herbst zu umgehen, greifen Autobesitzer immer häufiger zum Ganzjahresreifen. Mit dem Allrounder auf der Felge machen Sie zumindest dann nichts falsch, wenn er mit dem M+S-Symbol (Matsch und Schnee) beziehungsweise dem Alpine-Symbol dafür bürgt, auch bei winterlichen Straßenverhältnissen sicher durch den Verkehr zu rollen. Generell sprechen Fachleute allerdings keine Empfehlung für Ganzjahresreifen – früher auch Allwetterreifen genannt – aus. Das liegt zum einen an den qualitativen Unterschieden der Reifenarten. Andererseits sollten Sie beim Kauf von Autoreifen auch berücksichtigen, in welchen Gegenden und wie viel Sie fahren. Ein kurzer Exkurs in die Reifenkunde kann bei der Entscheidung helfen:
    Sommerreifen fahren am besten bei über 7 Grad Celsius Plus. Ihre Materialmischung ist fester und garantiert auch bei Hitze und langen Fahrten in der warmen Jahreszeit Haftung und ein gutes Bremsverhalten.
TIPP: Die alte aber keineswegs falsche Faustregel, nach der Sommerreifen zu „O“ wie Ostern aufgezogen und im „O“ wie Oktober       abgezogen werden, kann eine grobe Orientierung sein, die Pneus am Auto rechtzeitig auszutauschen. Der ADAC empfiehlt, in Abwägung zu den Launen des Wetters zu entscheiden. In bergigen Gegenden kann es nämlich auch zu Ostern noch kühl und rutschig auf den Straßen sein.
    Winterreifen sind im Gegensatz dazu mit einem vergleichsweise weichen Gummi auf der Lauffläche ausgestattet. Dadurch erhält der Reifen seine hohe Elastizität und verliert seinen Grip auch bei frostigen Minusgraden nicht. Sobald die Temperaturen steigen, sprechen Autoprofis davon, dass Winterreifen geradezu „wegschwimmen“, weil ihre besonderen Eigenschaften im Sommer zum Nachteil werden. Deshalb sollten die Winterreifen im warmen Frühling unbedingt runter!
    Ganzjahresreifen vereinen – theoretisch – die Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen. Deshalb müssen Sie sie nicht wie üblich wechseln, sondern Sie können sie nonstop bei jedem Wetter fahren. Der Nachteil der Mischung: Die sehr besonderen Fähigkeiten der Spezialreifen kommen zugunsten des Allroundeinsatzes nicht voll zum Tragen. Bei winterlichen Verhältnissen mit viel Schnee, Matsch und Streusalz oder im Gebirge bieten ausgewiesene Winterreifen noch immer die besseren Fahreigenschaften und mehr Sicherheit.

Das Alpine-Symbol auf Winterreifen erlaubt den Einsatz bei Glatteis und Schneematsch

In Deutschland gibt es keine Winterreifenpflicht. Die Winterreifen-Verordnung schreibt jedoch vor, dass bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte nur Reifen mit der M+S-Kennzeichnung gefahren werden dürfen. Ab 1. Oktober 2024 müssen diese allerdings das Alpine-Symbol mit einem Berg und einer Schneeflocke haben. Schon jetzt sind die im Handel angebotenen Pneus überwiegend damit gekennzeichnet. Alle M+S-Reifen die bis 31. Dezember 2017 gekauft werden, dürfen dank einer Übergangsregelung bis 2024 weiter gefahren werden. Ein Grund für den Kennzeichen-Wechsel sind die zu wenig spezifischen Anforderungen für M+S-Reifen. Die neuen Standards definieren dagegen sehr genau testgestützte Mindestanforderungen für das  Fahren bei Schnee und Eis.
Nicht nur gefährlich sondern auch teuer wird es für Autofahrer, die bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Reifen unterwegs sind, auf denen sich weder das M+S-Zeichen noch ein Berg-Piktogramm mit Schneeflocke finden lässt. Wer bei Eis und Schnee am Steuer eines PKW ohne Winterreifen sitzt und von der Polizei kontrolliert wird, muss mit einem Bußgeld von 60 Euro rechnen (Stand 2017).
Der Gesetzgeber schreibt in Deutschland bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte das Fahren mit speziell gekennzeichnete Reifen vor. Das M+S-Zeichen wird vom Alpine-Symbol abgelöst, das für sicheres Fahren bei Winterwetter steht. Vielfahrer und Autobesitzer, die vor allem in höher gelegenen Gegenden unterwegs sind, sind mit einem speziellen Winterreifen immer noch am besten beraten. Wer dagegen in Landstrichen wohnt, in denen es im Winter eher selten schneit und seinen Wagen bei Wintereinbruch auch mal stehen lassen kann, um auf Bus und Bahn umzusteigen, kommt  mit Ganzjahresreifen sicher von A nach B.