Autofahren im Alter: Das Unfallrisiko von Senioren im Straßenverkehr

Bis zu welchem Alter kann man sicher am Straßenverkehr teilnehmen und wann sollte man das Auto abgeben?

Autofahren im Alter: Das Unfallrisiko von Senioren im Straßenverkehr

In fast jeder Familie gibt es sie: Großväter, Großmütter, Onkels und andere Verwandte, die trotz ihres hohen Alters immer noch selbst hinter dem Steuer eines Pkw sitzen. Das erhöhte Unfallrisiko ist den meisten Familienmitgliedern bewusst, doch angesprochen wird das Thema nur ungern.

Kein Wunder, schließlich geht es um die Selbstbestimmung der Älteren. Es drohen Konflikte innerhalb der Familie, die gemieden werden. Dabei müssen Gespräche über das Autofahren im Alter nicht zwangsläufig negativ verlaufen – und nicht jeder ältere Kraftfahrer muss auf seine Mobilität verzichten. Schlussendlich ist jeder Fall individuell zu handhaben.

Zahl der fahrenden Senioren wächst rapide

Nie zuvor saßen in Deutschland so viele Senioren hinter dem Lenkrad. Zum einen zeigt sich hierfür die demographische Verschiebung verantwortlich, denn nie zuvor war der Anteil der Senioren innerhalb der Gesellschaft so groß. Zum anderen ist eine neue Generation von Ruheständlern in Erscheinung getreten. Anstatt sich im Alter zurückzuziehen, genießen sie das Leben in vollen Zügen und sind deshalb mobiler denn je zuvor.

Ältere Kraftfahrer haben ein erhöhtes Unfallrisiko

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das erhöhte Unfallrisiko nicht abzustreiten. Studien, die von Medizinern und Experten für Verkehrssicherheit durchgeführt wurden, belegen dies eindeutig. Als Hauptgründe wurden von Wissenschaftlern eine nachlassende Sinneswahrnehmung sowie ein verringertes Reaktionsvermögen ausgemacht.

Mit zunehmendem Alter lässt die Sehkraft nach und das Hören verschlechtert sich. Zugleich ist bei vielen Menschen mit einem Alter von über 70 Jahren eine veränderte Wahrnehmung der Fahrgeschwindigkeit festzustellen. Das Klischee vom Rentner, der durch geschlossene Ortschaften rast und auf der Landstraße schleicht, ist gar nicht so weit hergeholt.

Führerschein abgeben im Alter – Der Gesetzgeber hält sich zurück

In Deutschland existiert keine gesetzliche Vorschrift, die das Autofahren ab einem bestimmten Alter verbietet. Selbst wenn körperliche Einschränkungen erheblichen Ausmaßes festgestellt werden, ist ein Entzug der Fahrerlaubnis nicht ohne weiteres möglich. Zwar haben sich bereits mehrere Verkehrssicherheits-Experten für die Einführung solcher Gesetze stark gemacht, doch keine Regierung hat sich bisher getraut zu handeln. Aufgrund der demographischen Verschiebung sind die Älteren schließlich längst zur wichtigsten Wählergruppe aufgestiegen.

Konflikte innerhalb Familien

Wie einleitend schon angedeutet, gibt es zahlreiche Familien, in denen dieses Thema nicht angesprochen wird. Kinder und Enkelkinder sehen oft bewusst weg, auch wenn sie damit in manchen Fällen verantwortungslos handeln. Sollte es tatsächlich zum Unfall kommen, wenn Senioren Auto fahren, könnten ihre Angehörigen sowie andere Verkehrsteilnehmer verunglücken.

Gespräche werden gemieden, weil viele Senioren nicht dazu bereit sind, auf das Autofahren zu verzichten. Dies würde bedeuten, einen erheblichen Teil ihrer Unabhängigkeit aufgeben zu müssen. Kommt es zum Gespräch, ist die Argumentation der älteren Kraftfahrer meist dieselbe: Sie verweisen auf ihre jahrzehntelange Fahrpraxis.

Gespräche zur Fahrtauglichkeit mit Senioren

Experten raten dazu, Gespräche dieser Art besonders vorsichtig und einfühlsam zu führen. Zwar haben Verwandte der älteren Kraftfahrer die wissenschaftlich bestätigten Argumente auf ihrer Seite, allerdings müssen sie nicht für die einzelne Person zutreffen. Somit wäre es falsch, auf eine unmittelbare Abgabe des Führerscheins zu bestehen.

Die meist bessere Vorgehensweise besteht darin, die Fahrtauglichkeit zu überprüfen. Solch eine Prüfung bringt Gewissheit – und das auf beiden Seiten. Falls Senioren noch über eine hervorragende Sinneswahrnehmung verfügen, wird dies vom Arzt bestätigt. Andernfalls kann der Arzt als dritte und damit neutrale Person dem betroffenen Kraftfahrer aufzeigen, dass es womöglich doch besser ist, auf längere Autofahrten zu verzichten oder das Autofahren künftig ganz sein zu lassen.