Resturlaub – Das müssen Sie wissen

Verfällt der Urlaubsanspruch immer mit Ende des Kalenderjahres?

( Wörter)

Resturlaub – Das müssen Sie wissen

Obwohl die meisten Arbeitnehmer sehnsüchtig auf ihre nächste Auszeit vom Arbeitsalltag warten und im Büro von weißen Stränden träumen, passiert es immer wieder: Am Jahresende bleiben Urlaubstage übrig.

Verfällt der ungenutzte Urlaub nun mit Ablauf des Kalenderjahres? Oder können Sie sich den Resturlaub sogar auszahlen lassen? Und wie steht es mit dem Urlaubsanspruch nach einer Kündigung? Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Thema „Resturlaub“ wissen müssen. Beachten Sie bitte zusätzlich die Vereinbarungen in Ihrem Arbeitsvertrag, denn diese sind möglicherweise abweichend.


Was bedeutet Resturlaub? – Gesetzlicher Urlaubsanspruch


Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) einen Anspruch auf Erholungsurlaub. Der Gesetzgeber legt dabei einen Mindestanspruch fest, der sich nach den wöchentlichen Arbeitstagen berechnet, und nicht etwa nach Arbeitsstunden.




Bei einer 6-Tage-Woche stehen Ihnen grundsätzlich 24 Urlaubstage zu (§ 3 BUrlG), 20 sind es bei einer 5-Tage-Woche, wobei Sonn- und Feiertage nicht mitberechnet werden. Arbeiten Sie in Teilzeit 3 Tage die Woche, reduziert sich der Mindestanspruch auf 12 Tage.




Viele Arbeitgeber gewähren jedoch mehr Urlaub.

Die Urlaubstage müssen prinzipiell im laufenden Kalenderjahr vollständig in Anspruch genommen werden. Unter Resturlaub versteht man die Tage, die im Entstehungsjahr des Anspruchs auf Erholungsurlaub nicht gewährt wurden. Was passiert nun mit diesem Resturlaub?


Resturlaub in das Folgejahr übertragen?


Wenn Sie Ihre restlichen Urlaubstage vor Ablauf des Kalenderjahrs nicht nehmen, – sofern es in Ihrem Arbeitsvertrag nicht anders geregelt ist – verfallen diese grundsätzlich. Eine Übertragung der nicht gewährten Urlaubstage in das kommende Jahr ist in Ausnahmefällen jedoch gestattet. Solche Ausnahmen sind dringend betriebliche oder aber in der Person des Arbeitnehmers befindliche Gründe, beispielsweise:

  • eine Erkrankung während des Urlaubs – Die Krankheitstage werden aus den beanspruchten Urlaubstagen herausgerechnet.
  • ein erhöhter Arbeitsbedarf aus betrieblichen Gründen, wie sehr viele Erkrankungen in der Belegschaft oder saisonal bedingte Faktoren (z.B. im Einzelhandel während der Weihnachtssaison)
  • Elternzeit im Entstehungsjahr des Urlaubsanspruchs
  • Tarifverträge – In manchen Branchen mit Tarifverträgen gelten bestimmte Bedingungen bezüglich des Resturlaubs.

Die genannten Situationen werden als objektiver Übertragungsgrund bezeichnet und ermöglichen, den Resturlaub auch noch im Folgejahr geltend zu machen. Lassen Sie sich die Übertragung der Urlaubstage jedoch immer schriftlich von Ihrem Arbeitgeber bestätigen.




Die übertragenen Urlaubstage müssen Sie dann bis zum 31. März des Folgejahres vollständig in Anspruch nehmen, sonst verfallen sie.




Auch von dieser Regel gibt es Ausnahmen und unter Umständen besteht die Möglichkeit, die Urlaubstage auch nach dem ersten Quartal des Folgejahres zu nehmen. Solche Ausnahmen sind unter anderem:

  • Wenn Sie im vergangenen Jahr neu eingestellt wurden, fällt eine Wartezeit von sechs Monaten an, bis Sie Ihren vollen Urlaubsanspruch geltend machen können. Dieser Anspruch bleibt dann auch noch im Folgejahr bestehen. Sie haben außerdem für die Dauer der Wartezeit Anspruch auf Teilurlaub.
  • Für Langzeitkranke verfällte der Resturlaub ebenfalls nicht, wenn sie krankheitsbedingt über die ersten drei Monate des Jahres ausfallen. Der Anspruch auf Resturlaub bleibt dann 15 Monate nach Ablauf des Anspruchsjahres bestehen.



Eine Auszahlung der gesetzlichen Urlaubstage ist übrigens in der Regel nicht möglich.




Eine Ausnahme ist hierbei die Bezahlung des Resturlaubs nach einer Kündigung. Allerding können die zusätzlichen, vom Arbeitgeber gewährleisteten Urlaubstage unter Umständen entlohnt statt gewährt werden.


Resturlaub nach einer Kündigung


Resturlaub steht Ihnen auch zu, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird – egal von welcher Partei und ob ordentlich oder fristlos. Dabei müssen die Urlaubstage gewährt werden, es sei denn, eine Einarbeitung des Folgemitarbeiters ist nötig, es bleibt nicht mehr genügend Zeit um den Urlaub abzubauen, oder Sie wurden fristlos gekündigt. Dann ist eine Auszahlung des Urlaubs, eine sogenannte Urlaubsabgeltung, möglich.




Die Anzahl der restlichen Urlaubstage ist abhängig von der Zeit, die Sie im laufenden Kalenderjahr im Unternehmen beschäftigt waren. Endet das Arbeitsverhältnis in der ersten Hälfte des Jahres, also bis einschließlich 30. Juni, steht Ihnen ein zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat zu. Kündigen Sie in der zweiten Jahreshälfte steht Ihnen der gesamte Jahresurlaub zu, es sei denn Ihr Arbeitsvertrag umfasst eine Klausel, die auch dann nur eine anteilige Gewährung der Urlaubstage vorsieht.




Bereits geleistete Urlaubstage müssen bei einer Kündigung nicht zurückgezahlt werden. Wenn Sie also im März schon drei Wochen Urlaub genommen haben und dann im April das Unternehmen verlassen, müssen Sie nichts zurückzahlen. Denn die Urlaubstage gelten pro Kalenderjahr und nicht pro Unternehmen. Wenn Sie die Arbeitsstelle im Jahr wechseln, lassen Sie sich eine Urlaubsbescheinigung ausstellen, aus der ersichtlich wird, wieviel Sie von Ihrem Urlaubsanspruch bereits geltend gemacht haben. Das gilt jedoch nicht für Urlaubsgeld. Ihr Chef könnte möglichweise von Ihnen verlangen, bereits geleistete Boni anteilig zurückzuzahlen.


Das Wichtigste im Überblick

  • Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer laut Bundesurlaubsgesetzt (BUrlG) einen Anspruch auf Erholungsurlaub.
  • Die Urlaubstage müssen prinzipiell im laufenden Kalenderjahr vollständig in Anspruch genommen werden. Eine Übertragung der nicht gewährten Urlaubstage in das kommende Jahr ist in manchen Fällen jedoch gestattet.
  • Die übertragenen Urlaubstage müssen vollständig bis zum 31. März in Anspruch genommen werden, sonst verfallen sie.
  • Eine Auszahlung der gesetzlichen Urlaubstage ist nicht möglich, außer im Falle einer Kündigung.
  • Resturlaub steht Ihnen auch zu, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird.
  • Schon geleistet Urlaubstage müssen bei einer Kündigung nicht zurückgezahlt werden.

Sollte es zum Beispiel in Sachen Resturlaub zu Meinungsverschiedenheiten mit Ihrem Arbeitgeber kommen und Sie benötigen die Hilfe eines Anwaltes, leitet unsere Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutzversicherung für Nichtselbständige gute Dienste. Berechnen Sie Ihren günstigen Tarif jetzt bei Verti.