Lebensversicherung zu teuer: Alternativen zur Kündigung

Bevor man eine langjährige Police aufgibt, sollte man sich mit anderen Möglichkeiten auseinandersetzen - schon kleine Schritte können helfen

Lebensversicherung zu teuer: Alternativen zur Kündigung
Eine Lebensversicherung wird mit einem langfristigen Ziel abgeschlossen: Die Absicherung im Alter. Dazu kommt die Absicherung im Todesfall oder bei Berufsunfähigkeit. Viele Verträge haben eine Laufzeit zwischen einem und dreißig Jahren. Bis das vertraglich vereinbarte Ende der Police erreicht ist, kann sich im Leben viel verändert haben. Niemand kennt bei Vertragsschluss seinen tatsächlichen Finanzbedarf während der Laufzeit. Viele Verbraucher wollen oder müssen daher darüber nachdenken, ihre  Versicherung vor Vertragsablauf zu beenden.
Ganz allgemein kann gesagt werden, je länger die Versicherung besteht und die Beiträge gezahlt werden, desto höher fällt die zu erwartende Ablaufleistung aus. Vor allem bei steuerlich begünstigten Versicherungen ist es oft ratsam, den Vertrag bis zum Schluss durchzuhalten. Nicht sinnvoll ist es dagegen, sich für die Fortführung des Vertrages zu verschulden, nur um am Ende auf eine hohe Auszahlung zu hoffen. Eine Kündigung des Vertrages sollte gut überlegt werden und nur dann erfolgen, wenn es keine anderen sinnvollen Alternativen gibt. 
 

Lebensversicherung kündigen – welche Alternativen gibt es?


Zahlweise: Bei einer Umstellung von monatlicher auf jährliche Zahlungsweise entfallen Zuschläge für die Ratenzahlung. Der Beitrag sinkt bei gleicher Leistung. Eine solche Änderung wirkt sich steuerlich nicht negativ aus.
 
Stundung: Für einen Versicherungsnehmer ist es möglich, die Beiträge für ein halbes Jahr aufzuschieben. Bei Arbeitslosigkeit räumen Versicherer oft auch ein Jahr Aufschub ein. Nach Ablauf der Stundung muss man die Beiträge jedoch verzinst nachzahlen.
 
Beitragsreduzierung: Um die Beiträge zur Lebensversicherung dauerhaft zu reduzieren, kann der bestehende Vertrag in einen Vertrag mit günstigeren Prämien umgewandelt werden. Diese Möglichkeit kann vertraglich bereits in den Bedingungen vereinbart sein. Andernfalls steht es dem Versicherer frei, zuzustimmen oder abzulehnen. Verringert sich die Prämie, sinken ebenfalls die Ablaufleistung sowie die Leistungen im Todesfall.
 
Vertrag ruhen lassen: Vorübergehende Zahlungsschwierigkeiten kann man überbrücken, indem man den Vertrag ruhen lässt. Vorausgesetzt, die Versicherung bietet diese Option an, sind die Vertragspartner aller Pflichten entbunden. Man zahlt keine Beiträge, der Versicherungsschutz ist unterbrochen, der Vertrag jedoch bleibt bestehen. Nach Ablauf der Ruhephase läuft der Vertrag – mit allen Pflichten – wie vorher auch weiter.
 
Beitragsfreistellung: Wenn man den Versicherungsschutz nicht verlieren möchte, aber momentane Zahlungsschwierigkeiten hat, kann den Vertrag beitragsfrei stellen lassen. Diese Umwandlung auf eine prämienfreie Versicherung ist gesetzlich geregelt und jederzeit in der laufenden Versicherungsperiode möglich. Wenn nichts anderes vereinbart wird, gilt die Beitragsfreistellung für ein Jahr mit monatlicher Kündigungsfrist. 
Rechtlich gesehen handelt es sich dabei um eine Teilkündigung, durch die sowohl der Versicherungsschutz als auch die Ablaufleistung gemindert wird. Allerdings bleiben die Ansprüche aus der Überschussbeteiligung bestehen. Den ursprünglichen Versicherungsschutz wieder herzustellen, ist nach Beitragsfreistellung nur noch mit Zustimmung des Versicherers möglich. Da dieser Vorgang als Neuabschluss gewertet wird, muss eine erneut eine Gesundheitsprüfung in Kauf genommen werden. 
 
Verkauf: Hat die Police mindestens einen Wert von 10.000 Euro und übersteigt die verbleibende Vertragslaufzeit nicht eine bestimmte Anzahl von Jahren, kann man seine Lebensversicherung verkaufen. Policen-Käufer bieten Preise an, die zwischen 1 bis maximal 15 Prozent über dem Rückkaufswert des Versicherers liegen können. 
Der Käufer erwirbt die Police mit dem Ziel, diese an Stelle des ursprünglichen Versicherungsnehmers bis zur Endfälligkeit weiterzuführen und sich am Stichtag die Ablaufleistung auszahlen zu lassen. Für den Versicherten hat das den Vorteil, dass ein Rest-Versicherungsschutz gewahrt ist. Es gibt sogar Ankauf-Modelle, bei denen zusätzliche Versicherungen, wie beispielsweise eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ), erhalten bleiben können. 
 
Kündigung: Der Versicherungsnehmer hat jederzeit die Möglichkeit, den Vertrag ohne Angabe von Gründen zu kündigen. Sofern nicht anders vereinbart, reicht ein formloses Schreiben an die Versicherungsgesellschaft. Wer seine Prämie jährlich bezahlt, kann zum Ende der Versicherungsperiode kündigen. Bei monatlicher Zahlungsweise gelten monatliche Kündigungsfristen. Zu diesem Termin erlischt bei einer Kündigung der Versicherungsschutz und der Versicherungsnehmer erhält den Rückkaufswert ausgezahlt. Die Höhe des aktuellen Rückkaufswertes kann man der letzten Wertmitteilungen entnehmen, die man erhalten hat. Neben dem Rückkaufswert muss das Versicherungsunternehmen die vom Versicherten bereits erworbenen Ansprüche aus einer Überschussbeteiligung zuzüglich anteiliger Schlussüberschussanteile auszahlen.