Abgasskandal und Diesel-Gate – was passiert mit der Kfz-Versicherung?

Müssen Betroffene mit höheren Tarifbeiträgen rechnen?

( Wörter)

Abgasskandal und Diesel-Gate – was passiert mit der Kfz-Versicherung?

Weltweit sorgte der Abgasskandal (auch als Diesel-Gate bezeichnet) für Schlagzeilen. Betroffene Fahrzeuge weisen schlechtere Abgaswerte auf, als von den Herstellern angegeben. Zahlreiche Autobesitzer fühlen sich betrogen und zugleich sind die Preise betroffener Modelle am Gebrauchtmarkt deutlich eingebrochen.

So mancher Fahrzeugbesitzer ist verunsichert und fragt sich, wie es weitergeht. Viele Betroffene möchten wissen, ob Auswirkungen auf die Kfz-Steuer zu befürchten sind. Ebenso befürchten einige, der Abgasskandal könnte Auswirkungen auf die Kfz-Versicherungen haben, sodass womöglich der Versicherungsschutz erlischt oder zumindest der Beitrag steigt.

Kein Verlust des Versicherungsschutzes wegen Diesel-Gate

Vorab die gute Nachricht für alle Halter betroffener Fahrzeuge: Ein Erlöschen des Versicherungsschutzes ist ausgeschlossen. Im Feld der Kfz-Haftpflicht sind die Versicherer dazu gezwungen, einen Schutz anzubieten. Die von den Herstellerangaben abweichenden Abgaswerte liefern keinen Grund, den Haftpflichtschutz aufzukündigen.

Dasselbe gilt für den Kaskoschutz. Ob Teilkasko oder Vollkasko, der Versicherungsschutz bleibt bestehen. Mehrere Autohersteller mögen zwar Behörden und Kunden getäuscht haben, jedoch ist dies kein Grund, einen Kaskoschutz nicht mehr anzubieten.

Typklasse: Wie das Fahrzeugmodell die Beitragshöhe beeinflusst

Aus Sicht der Kfz-Versicherer ist ein breites Spektrum an Faktoren zu berücksichtigen, die letztlich darüber entscheiden, ob ein Schutz angeboten werden kann und welche Konditionen im Einzelfall gelten. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass keineswegs nur das Fahrzeug entscheidet. Insbesondere das Alter des Versicherungsnehmers und die Anzahl der Personen, die das Fahrzeug nutzen, haben großen Einfluss. Ebenso sind jährliche Laufleistung und Zulassungsbezirk von enormer Bedeutung.

Selbstverständlich ist auch das Fahrzeugmodell entscheidend. Aus Sicht der Kfz-Haftpflichtversicherung ist ausschlaggebend, wie häufig ein bestimmtes Modell in Unfälle bzw. Versicherungsfälle verwickelt ist. Entsprechende Daten werden von allen Kfz-Versicherern an den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) übermittelt.

Anpassungen der Typklasse

Der Verband wertet diese sehr umfassenden Daten (in Deutschland gibt es mehr als 26.000 verschiedene Pkw-Typen) aus und legt einmal jährlich neue Typklassen fest. Anpassungen der Typklassen sind hierbei nicht ungewöhnlich. Je nach Jahr kann das Ausmaß der Anpassungen sehr verschieden ausfallen. Im Allgemeinen gilt, dass jährlich ca. 30 bis 50 Prozent der Fahrzeuge betroffen sind und deren Typklassen angepasst werden. Mehrheitlich werden die Fahrzeuge jedoch nur eine Klasse herauf oder heruntergestuft. Anpassungen über zwei oder gar drei Klassen hinweg sind äußerst selten. Im Falle einer Herunterstufung wird die Kfz-Versicherung günstiger, eine Heraufstufung lässt den Beitrag hingegen steigen.

Die erstmalige Festsetzung der Typklasse erfolgt unter Berücksichtigung mehrerer Faktoren, insbesondere von Leistung und Hubraum. In den Folgejahren ist die Unfallhäufigkeit von Bedeutung. Die Abgaswerte des Fahrzeugs sind hingegen nicht bedeutsam. Im Hinblick auf den Versicherungsschutz spielt es keine Rolle, ob ein Fahrzeug nun mehr oder weniger CO2 ausstößt.

Theoretisch wäre es denkbar, Fahrer von sehr umweltverträglichen Fahrzeugen mit niedrigen Beiträgen in der Kfz-Versicherung zu belohnen. Kfz-Versicherer könnten Verbrauch und CO2-Ausstoß entsprechend berücksichtigen. Allerdings ist es nicht Aufgabe der Versicherer, derartige Eingriffe am Markt vorzunehmen. Anreize zum Erwerb solcher Fahrzeuge setzt der Staat, indem der eine entsprechende Besteuerung vornimmt.

Auswirkungen des Dieselskandals

Zusammengefasst gilt, dass der Abgasskandal keine direkten Auswirkungen auf die Beitragshöhe in der Kfz-Versicherung hat. Allerdings sind indirekte Auswirkungen möglich, weil beispielsweise bestimmte Gruppen von Fahrzeughaltern reagieren und ihre Autos verkaufen. Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Struktur der Fahrzeughalter ändert und damit auch die Unfallhäufigkeit.